Replik zum Thema Forschung

Mitte März 2017 ließ ich mich zu einer Replik zum Thema Forschung hinreißen, obwohl ich mir selbst eigentlich ein Schweigen zu Presse und Wissenschaften auferlegt hatte. Am 17. März 2017 nämlich erschien das Heft „Spektum Spezial, Archäologie, Geschichte, Kultur“ mit einem Leitartikel, in dem allein der Forschung das Wort geredet wurde. Ich musste, insbesondere in Anbetracht des Zustands der Erde, antworten. Hier mein Text:

Vorsicht, kann Spuren von Weisheit enthalten

Es sei mir gestattet, auf Ihr Editorial „Vorsicht: Kann Spuren von Forschung enthalten!“ mit „Vorsicht: Kann Spuren von Weisheit enthalten!“ zu antworten. Dazu notiert, auch Weisheit lässt sich nicht ohne Quellenstudium erreichen. Doch zum Thema:

Nietzsche schrieb in „Also sprach Zarathustra“, Kap. „Vom Geist der Schwere“: „Auf vierlerlei Wegen kam ich zu meiner Wahrheit, nicht auf einer Leiter stieg ich zur Höhe, wo mein Auge in die Ferne streift.“ Ganz offenbar also gibt es mehr als einen Weg, Erkenntnisse zu gewinnen. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass die meisten alten Kulturen dazu zwei Wege für sich nutzbar machten, nämlich Schamanentum und Mystik. Selbst wenn die Wissenschaften scheinbar alle Bereiche des Lebens durchdringen, methodisch ist es nur ein Weg von mehreren.

Gert Scobel fordert in seinem Buch „Weisheit“ eben jene ein und vertritt die Auffassung, dass unsere Gesellschaft davon zu wenig enthalte. Goethe postulierte im „Faust“, Teil 2: „Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein, versuch einmal dich innigst aufzulösen, dem frommen Manne nötig wie dem bösen“, usw. Hinter beiden Aussagen steckt der Gedanke von Entwicklung und zwar von innerer und charakterlicher. Doch wo bieten Wissenschaften Nahrung für das, was man gemeinhin Seele nennt?

Nicht widersprechen, möchte ich Ihnen, dass sicher viele Themen, die  an Sie herangetragen werden, spinnert sind. Andererseits verweisen im Selbstverlag verlegte Bücher nicht immer auf abstruse Geisteshaltungen, sondern nur darauf, dass sie nicht den Mainstream abbilden. Es ließe sich an dieser Stelle zudem die Frage aufwerfen, ob wir uns mit den Wissenschaften nicht bereits sehr weit von dem entfernt haben, was Menschsein ausmacht.

Replik zum Thema Forschung: Achtet auf die Weisheit

Unstreitig steht die Erde an einem Scheidepunkt. Es würde Sinn machen, aus den vergessenen Wegen zur Erkenntnis mitzunehmen, was sich sinnvoll verwenden lässt. Stattdessen sind die Wissenschaften auf diesen Augen blind. Wie etwa können Literaturwissenschaftler Texte aufschließen, wie Religionswissenschaftler Glaubenslehren verstehen, wenn sie nicht um die Möglichkeiten wissen? Das sind nur zwei Beispiele. Um Ihnen das Dilemma von Weisheit und Wissenschaften in dieser Gesellschaft vor Augen zu führen, empfehle ich überdies einmal die Lektüre des „Faust“ und hier insbesondere die Schüler-Mephistopheles-Szene im ersten Teil.

Meine Replik zum Thema Forschung mag Amüsement ausgelöst haben. Mir ist es jedoch wichtig, dass die freie Mystik aus dem Schattendasein zurück ans Licht finden möge.

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