Zur Wiederauferstehung

Sie hatten den Weltuntergang erwartet? Vielleicht gehören Sie auch zu jenen, die an die Auferstehung Ihres Körpers an einem „Jüngsten Tag“ glauben? Und das, obwohl uns die Kenntnisse um die irdischen Kreisläufe längst eines Besseren belehren? Dann sind Sie wohl sehr leichtgläubig oder Ihre Familie kommt aus Transsylvanien (Dracula) mit entsprechenden Konsequenzen. Dagegen stammte die religiöse Idee der Wiederauferstehung vom Apostel Paulus, der sein Schlüsselerlebnis einer „Emporhebung in die Lüfte“ (2. Korintherbrief Kap. 12) miss interpretierte. Weil er nämlich seine eigene Seelenwanderung nicht erkannte, glaubte er bei Jesus ebenfalls nicht an eine solche, sondern hielt dessen „Wiederauferstehung“ für gegeben.

Doch nicht nur das Christentum, der Islam geht ebenfalls von einer Wiederkehr des Körpers aus. Andererseits unterlief Mohammed in der 24. Sure des Korans der Lapsus einer Verheiratung schlechter und guter Frauen wie Männer in einem späteren Leben. Damit wird offenbar, dass er im Grunde keine eigene Meinung von Tod und Wiedergeburt des Körpers oder der Seele entwickelte. Stattdessen verließ er sich hier vollumfänglich auf Paulus und – war verlassen. Am Rande notiert, darf deshalb hinsichtlich des Islam auch von einer christlichen Sekte gesprochen werden. Doch zurück:

Religionsphilosophisch hat dies zur Folge, dass mit der Erklärung des Irrtums des Paulus nicht nur das Christentum, sondern zugleich der Islam sein Ende findet. Darüber hinaus fallen beide Religionen mit dem Rest ihres Gedankengebäudes auf das Judentum zurück. Dort hatte Moses in Auflösung eines Notwehrexzesses (er erschlug einen Ägypter, wie das Alte Testament berichtet) und mit weitergehenden Überlegungen die Basis für die drei großen Weltreligionen des Westens gelegt. Der zunächst notwendige Prozess des Moses um eigene Einsichten wird im Ergebnis wiederum von Mohammed bestätigt, der damit das gleiche Erlebnis offenbart. Überdies unterscheiden sich beide in ihrem Streben um eigene Erkenntnis nicht grundsätzlich von Buddha oder den hinduistischen Meistern. So lässt sich nicht nur ein Bogen über alle Religionen spannen, sondern es kann damit zugleich die Herkunft aller Glaubenslehren aus (Leidens-) Prozessen um Schlüsselerlebnisse aufgezeigt werden.

Festzuhalten ist, dass Mohammed wie Moses in Notwehr tötete und Jesus wie Paulus schamanisierte. Dagegen erlangten Buddha sowie die Meister des Hinduismus bei vergleichbaren Lehren Kenntnis um den Austritt aus einem seelischen Kreislauf, zumeist allerdings ohne klares Bild des Göttlichen, was etwa  Buddha als das unpersönlich Absolute bezeichnete. Meine Herrschaften, da waren viele Märchenerzähler aus deutschen Landen weiter, besieht man sich die Sammlungen der Gebrüder Grimm oder des Johann Wilhelm Wolf. Nicht allein Goethe oder Nietzsche dürfen wir uns zum Vorbild nehmen, in früheren Zeiten beschäftigten sich viele einfache Menschen ebenso mit der Entwicklung ihrer Seele und erlangten tiefere Erkenntnisse als die fremdländischen Religionsstifter. Wenn Sie also wie Robinson Crusoe an einer einsamen Insel strandeten und nur ein Buch aus der Schiffsbibliothek retten könnten, dann schnappen Sie sich die Märchen der Gebrüder Grimm, Bibel und Koran können Sie mit dem Kahn „absaufen“ lassen.

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Derzeit das Kompendium mit allen wichtigen Texten aus meiner Feder

Sie halten das für albern? Ist es aber nicht. Das Wissen habe ich mir über Jahrzehnte mühsam erarbeitet. Als Autor, der aus einer existenziellen Sinnkrise heraus das Schreiben, Lesen und Begreifen lernte, habe ich meine Einsichten mit denen der Dichter, Denker, Religionsstifter und Märchenerzähler verglichen und für die eigene Entwicklung genutzt. Empfehlen kann ich Ihnen daher „Die Reise in die Seele“ oder (auf das Wesentliche reduziert) mein Amazon-Ebook: „Die fünfe Wege zur Weisheit“ mit Auflösungen um unterschiedliche Schlüsselerlebnisse. Weiter stelle ich die Überlegungen der Märchen- und Sagenerzähler in „Geschichte im Fokus“ sowie das der Religionsstifter in „Grundstrukturen der Religionen“ dar. Alle wichtigen Texte finden Sie zudem zusammengefasst zu meinem künftig wohl Hauptwerk „Die Seelenfibel“.

Begeistert hat mich im Übrigen neben den Aufzeichnungen des alten chinesischen Philosophen Laotse der vorgeblich muslimische Dichter Hafis. So muss man für ein Bild des Göttlichen noch immer zumindest einen Seelenteil opfern, wie es auch im Märchen „Der treue Johannes“ (mit Wiedererweckung der Seele) dargestellt wird. Nietzsche war darüber hinaus jemand, der für Erkenntnisse sogar einen Seelenteil tötete und den anderen ausbrennen ließ. Deshalb sprach er hinsichtlich des „toten Gottes“ einerseits vom getöteten, eigenen Seelenkörper (der ja einst von Gott geboren wurde) und andererseits von seinem alten Gottesbild. So lesen wir im „Zarathustra“ von seinem Anblick des toten Seelenkörpers: „Mensch war er, und nur ein armes Stück Mensch und ich: Aus der eigenen Asche und Glut kam es mir, dieses Gespenst und wahrlich, nicht kam es mir von Jenseits.“ (Widersprüche in der Mystik werden übrigens auf nächst höherer Ebene aufgelöst.) Zur Wiedergeburt der Seele für weitere Erkenntnisse: „Dass der Schaffende selber das Kind sei, das neu geboren werde, dazu muss er auch die Gebärerin sein wollen und der Schmerz der Gebärerin.“ Die Gebärerin? Der vorgebliche Atheist Nietzsche spricht von Gott-Frau? Ja, denn nur demjenigen eröffnet sich der Blick auf Gott, der zuvor seine Seele opferte. Und dann lässt er SIE sprechen: „Aber veränderlich bin ich nur und wild und in allem ein Weib, und kein tugendhaftes“. Für viele seiner „Fans“ ist diese – zugegeben schwer verständliche – Offenbarung des eigentlichen Inhalts wohl ein Schlag ins Gesicht. „Gott-Mann-Gläubige“ halten eine Gottesmutter ohnehin für Blasphemie. Aber nichts Anderes bedeutet es: Für Nietzsche war der „alte Gott“ (deshalb) „tot“, weil er Gott als Frau erkannte (selbst wenn er dazu ein Stück weit Zarathustra folgte). Auch Goethes Seufzer am Ende des „Faust“ muss man in diesem Sinne verstehen: „Jungfrau, Mutter, Königin, Göttin bleibe gnädig.“ Dazu der Chorus Mysticus: „Das ewig Weibliche zieht uns hinan.“ Dantes „Herrin“, an die er in der „Göttliche(n) Komödie“ Antlitz und Seele wendete, sowie Laotses „Führerin des Alls“ im „Taoteking“ sprechen ebenso nicht von Gott als einem verkleideten alten Mann. Descartes bedankte sich bei der Gottesmutter für seine Offenbarungen, empfangen in der Nähe von Ulm, und der Indio Juan Diego überbrachte sogar ein Bildnis von ihr auf einem bislang unverrotteten Algarve-Poncho (ausgestellt in Mexiko-Stadt). Da darf es nicht wundern, dass ich, ähnlich wie es Hesse in „Narziss und Goldmund“ notierte, in Gott ebenfalls ein schönes Weib von unguter, da heidnischer Herkunft erkennen konnte.

Tiefgehende Gedanken und Einsichten um das eigene Selbst, das Fortkommen von diesem Planeten (der Austritt aus dem Geburtenkreislaus der Seele) sowie die Person Gottes erschließen sich nur demjenigen, der sich zuvor auf den Weg um eigene Erkenntnisse begab. So hilft es Ihnen nicht, zu beten bis Ihnen die Füße abfallen (falls sie zu jenen gehören, die sich vor dem Beten die Füße waschen müssen). Sie haben stattdessen Ihre Seele zu entwickeln („Dem frommen Manne nötig wie dem bösen“, schrieb Goethe im „Faust“). Womit zugleich offenbar wird, dass Sie sich nicht vorstellen dürfen, nach Raffgier, Mord und Totschlag noch mit Freuden in den Himmel aufgenommen zu werden. Ein „Dennoch“ müsste, wie es Moses oder Mohammed aufzeigten, noch auf der Erde verdient werden.

Bleibt mir in Anbetracht des Zustandes der Erde die Frage, ob meine Leser über das Veralbern und Verdrängen des Vorgestellten hinauskommen möchten, selbst wenn ich dafür hart angegangen würde. Schopenhauer: „Jedes Ding erscheint zuerst lächerlich, dann wird es bekämpft, schließlich ist es selbstverständlich.“ Ich wüsste also, was mich erwartete. Dabei sollte man sich jedoch nicht auf meine Person versteifen, denn mein Werk ist geschrieben. Vielleicht hilft Ihnen dazu noch ein Ausspruch Einsteins weiter: „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“

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