Wiederauferstehung und Naturgesetze

Die ewig Rückwärtsgewendeten kann ich schon hören: „Aber die Leute haben doch damals den Wiederauferstandenen leibhaftig gesehen!“ Nein, meine Herrschaften, das haben sie nicht, denn das können sie nicht gesehen haben. In unserem Universum, in unserem All, unterliegt alles den von Gott gegebenen Naturgesetzen. Eine körperliche Wiederauferstehung ist bei den irdischen Kreisläufen des Wassers, des Kohlenstoffs oder der Biomasse ausgeschlossen. Ich möchte nicht unappetitlich werden, aber mutmaßlich rinnt ehemalige Saurier-Pisse durch Ihre Adern und zumindest ein Teil Ihres Körpers war nicht nur Kartoffel oder Blumenkohl, sondern sogar schon Vogelkacke oder Glühwürmchen. Es wird Zeit, sich mit unserer körperlichen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Sie müssen die Kreisläufe anerkennen und sich mit den Erfordernissen arrangieren.

Hätten heute lebende Ärzte den Körper des Jesus mit den modernen medizinischen Geräten untersucht, sie hätten festgestellt, dass er nicht tot war. Noch heute reisen Schamanen mit einem Teil ihrer Seele zu den Geistern, um für ihre „Schützlinge“ spirituelle Hilfe zu erfahren. Sie lassen dabei ihre Körper von der Vitalseele minimal am Leben erhalten und rudimentär beseelt zurück, um mit der Freiseele aus dem Körper auszufahren. Eine Seelenreise war deshalb der Grund, warum beim Lanzenstich „nach dem Ableben des Jesus“ wie es Johannes berichtet, noch Lebenssäfte austraten. Denn üblicherweise stockt mit dem Tod das Blut.

Sie mögen nun einwenden, wenn wohl Paulus bei seiner unaufgelösten Seelenwanderung, es andere mangels Bildung oder eigener Erfahrung nicht begriffen, hätte die Seelenreise des Jesus doch Schamanen wie Johannes (lässt sich aus seiner Vision der Apokalypse schließen) auffallen müssen. Dem ist zuzustimmen, jedoch war den Schamanen Mystik zumeist völlig fremd. So war sicher unbekannt, dass nur auf diesem Wege, und das von jedem zu leisten, göttliche Aufnahme der Seele erfahrbar ist. Zudem war das schamanische Selbstverständnis ein anderes: Schamanen halten sich (da sind Moses, Paulus, Jesus, Johannes oder Mohammed gute Beispiele) für besonders berufen, den Mitmenschen als Mittler zwischen Gott und den Menschen zu dienen. Raum für eine selbstkritische Betrachtung bleibt da nicht. So fiel es keinem der Vorerwähnten auf, wie wenig Kontakt sie tatsächlich mit dem Göttlichen hatten und wie viel mehr an persönlicher Einbildungskraft ihre Lehren auszeichnete. Sie hätten besser daran getan, wie die alten Ägypter zu sammeln, um aus vielerlei verschiedenen Erfahrungen überlegt ein Gedankengebäude zu errichten. Bei strukturierter Betrachtung wäre ihnen dann sogar neben der Bewertung eigenen Schaffens vielleicht sogar das Formulieren tatsächlich ewiger Wahrheiten möglich geworden.

Vor diesem Hintergrund muss die unreflektierte Übernahme biblischen Gedankenguts in Teilen der Wissenschaft, ohne grundlegende kritische Auseinandersetzung, ohne Kenntnisse der Grundstrukturen erhebliches Befremden auslösen. Vor allem darf es kein „Geheimnis des Glaubens“ geben, wenn inzwischen ein durch viele Dichter, Denker, Märchenerzähler gesichertes Wissen existiert. Vor mystischem Hintergrund hier einige Naturgesetze:

  • In diesem Universum unterliegt alles dem Werden und Vergehen, ausgenommen die ewige Führerin selbst.
  • Die von Gott geborene „Lichtgestalt“ ist als Teil der großen göttlichen Seele den irdischen Kreisläufen ebenfalls nicht unterworfen.
  • Die Seele unterliegt stattdessen einem eigenen Kreislauf bis zu ihrer Vervollkommnung.
  • Die Vernichtung oder aber auch die Heilung der Seele ist nur durch Gott möglich (zu Letzterem siehe auch das Grimmsche Märchen „Das Junggeglühte Männlein“)
  • Seelenopfer werden mit besonderen Einsichten belohnt, so die Wiedererweckung (Hohe Meisterschaft) oder die Wiedergeburt der Seele (Rätselmeisterschaft).

Mich verwundert es im Übrigen immer wieder, dass meine Überlegungen abgetan werden, als seien die esoterischer Kaffeesatzleserei entsprungen. Erneut tut sich hier das Erfordernis einer kritischen Auseinandersetzung auf. Verdammt noch Mal, es geht um Ihr aller Seelenheil und es geht um diesen Planeten. Es geht darum, jetzt die Bremse zu treten, bevor die Erde vollständig ramponiert ist. Meine Herrschaften, ich erwarte an dieser Stelle Ihren Einsatz. Geben Sie Gas, ich will Ihre Köpfe rauchen sehen!

Mir ist bewusst, dass ich die alten Professoren kaum noch werde bewegen können, sodass ich mich an die jungen Wissenschaftler wenden möchte: Ich erwarte von Ihnen nicht mehr als ein strukturiertes Basiswissen, wenn Sie sich mit Religion, mit Literatur, mit Märchen oder Philosophie beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist mir aus eigener, leidvoller Erfahrung bekannt, dass es vielen Universitätslehrern wegen der Unordnung im eigenen Kopf bereits an der Fähigkeit mangelt, Wissen strukturiert zu vermitteln. Deshalb müssen Sie wohl oder übel Ihren Ansatz selbst ordnen. Zu diesem Zwecke empfehle ich, weil der Bereich gut erforscht ist, sich zunächst mit den Grundlagen des Schamanentums zu beschäftigen. Dann können Sie alles, was Schamanentum ist, auch als solches erkennen.

Mystiker wären sodann zu befragen, wobei Ihnen die Märchen der Gebrüder Grimm eine besondere Quelle sein sollten. Denn die Märchenerzähler aus alter Zeit stehen wohl kaum unter dem Verdacht, von mir manipuliert worden zu sein oder sich mittels der Werke Goethes oder Nietzsches in die Lage versetzt zu haben, über Leidens- und Erkenntniswege zu berichten. Lassen Sie sich überdies nicht von Leuten wie Clarissa Pinkola Estes einen Bären aufbinden. Die konnte angeblich in den Märchen keine mystischen Ansätze erkennen, doch muss man für diese offen sein. Zur Not lassen Sie sich von meinen Ausführungen in „Geschichte im Fokus“ inspirieren, selbst wenn Sie diese, meine Position prüfen wollen. Ohnehin sollten Sie alles, was man Ihnen bislang als Mystik verkauft hat, kritisch hinterfragen. Verlassen können Sie sich auf Goethe oder Nietzsche, wobei mir wiederum klar ist, dass beide nicht eben in dem Ruf standen, Mystiker gewesen zu sein. Aber wenn Sie diese Begrenzung des Denkens nicht überwinden, werden Sie nichts erreichen.

Vielleicht dämmert es Ihnen nun, warum ich immer wieder Bildung einfordere. Ohne Menschen, die selbständig denken, werden wir diesen Planeten verlieren, werden viele Menschen ihr Ziel in der Welt nicht erreichen. Und weil nicht alle mit denselben Fähigkeiten ausgestattet sind, nicht alle die gleichen Erkenntnisse werden erreichen können, ist Toleranz gefragt. Respekt vor dem Nächsten und Toleranz gegenüber dessen Gedanken ist das, was uns helfen wird. Sodann erheben Sie sich über die Wadenbeißer, die nicht denken können, nicht denken wollen oder sich nicht auf ein Erkennen einlassen wollen. Erst der „Übermensch“, wie Nietzsche ihn in Unkenntnis der Gräuel der Nationalsozialisten nannte, ist derjenige, der sich mithilfe seines Einsatzes seinen Austritt aus dem Geburtenkreislauf verdient. Dazu wünsche ich Ihnen Glück und mir, dass ich nicht noch länger auf Ihren Einsatz warten muss.

Ihr Taction Avant.

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