Zum Thema „Freie Mystik“

Hallo Ihr Mitmenschen – die Ihr Euch zu Denken traut,

zu keinem anderen Thema als dem der „Mystik“ ist derart viel Unsinn im Umlauf. Jeder unbedarft an das Thema Herangehende würde schon wegen der Widersprüche Mystiker/Innen selbst befragen, um sich ein klareres Bild zu verschaffen. Nicht so unsere Wissenschaftler, die keineswegs auf einen solchen Gedanken verfielen, denn das haben sie ja noch nie gemacht. Stattdessen übernehmen sie, was an Blödsinn bereits aktenkundig ist, denn das haben sie schon immer so gemacht. Erst recht wären sie nicht bereit, ihre destruktive Haltung aufzugeben, denn: Wo kämen sie denn dahin? Dieses Denken wäre unproblematisch, wenn es sich nicht um unsere Seele, Religion sowie unser gemeinsames Miteinander drehen würde.

Dass es unterschiedliche Einsichten und Erkenntnisse bei Mystikern gibt, wird nicht in Abrede gestellt. Deshalb empfahl bereits Goethe im Faust in der Szene im Studierzimmer, zu Gott und Seele besser einen Meister anzugehen (etwa seine Hilfe mit dem Faust anzunehmen). Nietzsche, der sich im Zarathustra Rätselrater und Erlöser des Zufalls nannte, wäre hier ebenfalls anzuführen. Man darf sich bei ihm nur nicht von den teils grotesken Interpretationen seiner inneren Bilder in die Irre führen lassen. So etwa sind der bleiche Verbrecher oder der Tod Gottes nichts Anderes als Umschreibungen für den toten Seelenkörper, was natürlich regelmäßig nicht verstanden wird. Wie denn auch, wenn man sich nicht selbst auf den Weg begibt? So bleibt der Mystiker Nietzsche für die Wissenschaft ein Atheist und Nihilist, getreu dem Motto: Nur nicht die überkommene Kategorie antasten.

Wer will auch Anderes erwarten von Leuten, deren Denke noch im Schamanismus kreist. So soll einstens ein Messias als vorgeblicher Mittler zum Göttlichen mit seinem Kreuzestod dafür Sorge getragen haben, dass ein Jeder in das Himmelreich komme. Dessen Reich sei aber nicht von dieser Erde, obwohl dennoch alle körperlich wiedergeboren würden, irdischen Kreisläufen um Entstehen und Vergehen zum Trotz. Welch ein Schwachsinn! Herrschaften, da waren die Bauern in der Steinzeit schon einmal weiter, als sie ihre Tempel mit den zuvor vergötterten Schamanen in Göbekli Tepe rituell begruben und sich intelligenteren Glaubensinhalten zuwandten.

Hier streiten dagegen noch heute Gelehrte, ob Jesus ein Mystiker gewesen sei, weil er alte, jüdische Mystik in neue Gleichnisse verpackte. Nein meine Herrschaften, das war er nicht, weil er am Kreuz schamanisierte. Nur darauf kommt es an. Seine Seele trat für drei Tage aus seinem Körper, bevor sie in diesen zurückkehrte. Daher der Ausfluss von Körpersäften, was bei Toten nicht möglich ist. Auch beim Kollegen Mohammed ist Schamanismus zu vermelden: Der erfuhr in zwar zunächst mystischer Hinwendung für eine Tötung in Notwehr göttliche Gunst und Gnade, nutzte aber anschließend den Schmerz um den Verlust naher Angehöriger, wie Jesus mit der Seele zu reisen. Weil ihm trotz der Tötung (für sein Leiden) dennoch göttliche Aufnahme verheißen wurde, hielt er sich für von Gott besonders erwählt. Deshalb überbrachte er der Welt eine aus Séancen stammende, vorgeblich göttliche Rechtsordnung, dass keiner wie er leiden müsse (erneut also der Schamane als vermeintlicher Mittler zum Göttlichen). Aus dem gleichen Grund finden wir bei ihm den Opfer-Täter-Wechsel in sexueller Hinsicht nicht in der Auflösung, sondern – wenig rühmlich – in seinem Verhalten Frauen gegenüber. Ganz anders Buddha, der diesen Wechsel von der Opfer- zur Tätersicht in seinem Kopf und seinem Herzen vollzog, aber ebenso fehl ging, als er diese Einsicht verallgemeinerte.

Glaubt nicht, dass ich fasele oder dichte, geht hin und findet eine andere Gestalt, es ist die ganze Kirchengeschichte Mischmasch von Irrtum und Gewalt“, schrieb Goethe in den „Zahmen Xenien“, doch müsste man ergänzen: „es ist die ganze Religionsgeschichte Mischmasch von Irrtum und Gewalt“. Denn anstatt auf den Messias zu warten, der alle abholt, hat sich die von Gott geborene Seele auf dieser Erde zu vervollkommnen, bevor göttliche Aufnahme zu erwarten ist. Und da Vervollkommnung nicht von sich aus geschieht, sind Erlebnisse zu verarbeiten, muss ein jeder Mensch sich selbst darum bemühen. Nicht also religiöse Führer vergöttern, lautet die Devise, sondern für sich wie ein Religionsstifter tätig werden. Das ist der Sinn des Lebens: Die eigene Seele in diesem Leben bilden, sich auf den Hintern setzen und an sich arbeiten.

Ihr „Traction Avant“

Übersicht „Briefe“