Freie Mystik und Atheismus

schrieb am 16.10.2017 - Lebenshilfe, Pamphlet, Philosophisches, Politik - Noch keine Kommentare

Nicht wenige halten Freie Mystik und Atheismus für (fast) dasselbe, weil sich beide gegen die Religionen richten. Doch haben Freie Mystik und Atheismus an dieser Stelle nur das Angriffsziel gemeinsam, nicht aber die Beweggründe für dieses Vorgehen. Besehen wir uns daher beide Strömungen näher.

Viele halten Mystik für einen Teil von Glaubenslehren. Das ist tatsächlich der Fall, wenn Religionen aus mystischen Überlegungen heraus entwickelt wurden. Manche folgern allerdings daraus, ohne Religionen könne Mystik nicht existieren. Das jedoch ist unrichtig, denn Mystik entsteht immer aus der persönlichen Hinwendung eines Menschen heraus zu Gott. Doch obwohl Mystik üblicherweise aus solcher Hinwendung heraus entwickelt wird, sinnvollerweise im Übrigen im Anschluss an einen Bewusstwerdungs- und einen Auflösungsprozess um persönliche Abhängigkeiten, kann Mystik zwischen Gott und den Menschen stehen. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Religionsstifter behauptete, er besäße alleinige Weisheit. Nur ihm nachzufolgen, verspräche, in den Himmel aufgenommen zu werden. Das jedoch bedeutet ein Abschneiden von eigener Erkenntnis und ist nicht das Ziel der Freien Mystik, weshalb sich diese gegen Religionen wenden muss. Selbstkritische Religionsstifter boten übrigens stattdessen parallel zur Nachfolge (etwa Buddha, Zarathustra) Schriften zur eigenen Vervollkommnung an, zeigten somit einen Weg zur Weisheit neben dem Gebet auf. Man mag sich daher bitte merken, dass die Freie Mystik die Hinwendung eines Menschen zu Gott bedeutet und zwar sinnvollerweise ohne Einflüsse von außen.

Atheismus (ohne Gott), so die Literatur zum Thema, bedeute die Ablehnung der Existenz Gottes sowie einer göttlichen Ordnung. Damit werde allerdings noch nicht per se der Unglaube postuliert. In diesem Zusammenhang etwa werden Anschauungen angeführt, die das unpersönlich Absolute im Buddhismus oder das Atman-Brahman in den älteren Upanishaden (Hinduismus) als Atheismus begreifen. Der Glaube könne sich zudem auf eine fiktive Gottheit beziehen. So proklamierte man während der Französischen Revolution den Glauben an eine Göttin der Vernunft, mit dem gleichfalls Sittlichkeit zu erreichen wäre. Nietzsche habe dann die Bejahung des vom Gottesglauben emanzipierten Daseins begründet. Und daneben schließlich existiere zu guter Letzt der kämpferische Atheismus, der jede Religion als für den Menschen schädliche Verirrung auffasse.

Freie Mystik und Atheismus

Als Beispiel für einen Atheisten ungeeignet

Sorry, aber mir geht beim Atheismus-Begriff zu viel durcheinander, weil schon die Beispiele nicht viel taugen. Der ältere Buddhismmus und die Upanishaden etwa haben zwar das unpersönlich Absolute gemein, doch nur, weil der von der Opferrolle in die Tätersicht wechselnde Adept Gott nicht schauen darf. Da macht auch das Vergewaltigungsopfer keine Ausnahme. Es darf stattdessen entscheiden, wiedergeboren zu werden oder zu verlöschen. Das, was das Opfer tatsächlich sieht, ist sich selbst als einen Teil eines mystischen Menschen. Das bedeutet jedoch nicht die Abwesenheit von Gott oder einer göttlichen Ordnung, sondern – im Gegenteil – bestätigt diese. Die Verwirrung wird komplett, wenn man Nietzsche als Atheisten missversteht. Im Zarathustra bekennt sich Nietzsche nämlich dazu, als Mann die Abtreibung aufgelöst zu haben (siehe auch die Beiträge zu Goethe, besonders zu Faust, Teil 2). Man sollte lesen können! Am Ende lässt er sich sogar dahingehend aus, wenn dann, nur mit Gott-Frau Kinder haben zu wollen. Was bitte hat das mit Atheismus zu tun? Selbst wenn sich Nietzsche ob seines Wegs in der Freien Mystik gegen Religionen wendet, ist er deshalb ein Atheist?

Nein Freunde. Freie Mystik und Atheismus haben nur das gleiche Angriffsziel, nämlich die Glaubenslehren. Weil diese Menschen von Erkenntnissen abschneiden, ja sogar von Gott selbst abschneiden. Religionen verhindern, dass Menschen in den Himmel kommen können, sie ebnen nicht den Weg. Nur weil ein Stifter um seine göttliche Aufnahme erfuhr, weiß er noch lange nicht, wie man das aus anderen Schlüsselerlebnissen heraus bewerkstelligt. Religionsstifter waren – nachweisbar – nur auf zumeist ein Erlebnis „geeicht“ und hätten besser die Fresse gehalten, als sich mit dicker Hose vors Publikum zu stellen, lassen wir die Schamanen unter ihnen einmal ganz außen vor. Das führt am Ende dann Freie Mystik und Atheismus zueinander: Die Erkenntnis, dass Religionen die Menschen in schädlicher Weise in die Verirrung leiten. Deswegen allerdings sind Freie Mystik und Atheismus (siehe auch die Beiträge zu Philosophie und Politik) noch immer nicht dasselbe. Meine Bücher bei Amazon.

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