Kategorie: Literatur

Dantes Leitfigur war Augustinus, nicht Vergil

schrieb am 22.11.2017 - Buchvorstellung, Grundlagen zur Mystik, Lebensgeschichte, Literatur - Noch keine Kommentare

Die These – Dantes Leitfigur war Augustinus, nicht Vergil – wird mutmaßlich zunächst einmal auf Kopfschütten stoßen. Schließlich kommt Augustinus in Dantes Werk „Göttliche Komödie“ als Leitfigur namentlich nicht vor. Dennoch gibt es nicht nur im dritten Teil namentliche Erwähnungen des Augustinus, sondern zuvor schon klare Hinweise auf den „Kirchenlehrer“, der an die Schwelle zwischen Altertum und Mittelalter lebte und zuletzt als Bischof in Hippo Regio (heute Annaba in Algerien) wirkte. Dante kannte natürlich die Mystik in dessen Werk, wie er im 12 Gesang zum Paradies dem Eingeweihten zu verstehen gab. Doch lassen wir dieses Rätsel außen vor und beschäftigen uns mit den auch Literaturwissenschaftlern verständlichen Textstellen.

Augustinus wurde für zwei Bücher berühmt. Zunächst zu nennen, sind die „Bekenntnisse“, in denen er nicht nur Position für das Christentum bezog, sondern sich dazu als Gott liebender Mystiker zu erkennen gab. Das zweite Werk heißt „Der Gottesstaat“ und zeichnet nach reichlich Kritik an bestehenden Systemen das Bild des von Augustinus erdachten idealen Gemeinwesens. Häufig überlesen wird jedoch, ich komme hier noch einmal auf die Bekenntnisse zurück, seine dort beschriebene Anderswelt-Reise , die bereits die erste Übereinstimmung mit Dante darstellt. Denn der Italiener hofft im ersten Gesang (Hölle), von der Lebensweise des Tieres errettet zu werden. Dafür erfährt er von einem berühmten Weisen, müsse er eine andere Reise vollführen (nicht irgendeine Reise antreten!). Im folgenden Gesang postuliert Dante schließlich: „Ich bin Äneas nicht, ich bin nicht Paulus,“ und nimmt damit meines Erachtens Bezug auf die beiden Werke des Augustinus.

Besehen wir uns das genauer: Äneas war der mythische Gründer Roms. Als dessen Lehrer wiederum verstand man Vergil. Dagegen wird man als spirituellen Lehrer des frühen Christentums Augustinus annehmen müssen. Wenn aber nun Vergil, weil Roms Lehrer für Geschichte und Landwirtschaft, als Leitfigur für eine Andersweltreise auszuscheiden hat, käme dafür nur der spirituelle Lehrer Augustinus in Betracht, der Dante durch die Hölle (zur Selbsterkenntnis) und durchs Fegefeuer (zu göttlicher Selbsterkenntnis) führte.  Den letzten Teil des Wegs zu göttlicher Erkenntnis verrät selbst Augustinus nicht, sodass dieser Teil der Reise von Dante tatsächlich ohne fremde Hilfe gemeistert werden musste.

Und weitere Gedanken aus dem Buch selbst heraus: Kurz bevor Dante von Vergil verlassen wird, wendet sich der Meister (20. Gesang, Fegefeuer) noch einmal an Dante und spricht: „Sei unbesorgt, weil ich dich führe“, und die Umherstehenden antworten: „Gloria in excelsis deo.“ Auch das weist deutlich auf einen Bischof, wie Augustinus, hin und nicht auf Vergil. Zumal der sich vorgeblich noch im übernächsten Gesang auslässt: „Jahrhunderte erneuern sich, Astrea kehrt, es kehrt die Urzeit wieder,“ (nämlich die Zeit ohne Religionen) „und niedersteigt ein neu Geschlecht vom Himmel“ (nämlich das der Rätselmeister). „Durch die ward Dichter ich, durch dich zum Christen.“ Noch einmal: Passt das zu Vergil?

Dantes Leitfigur war Augustinus, nicht Vergil

War Vergil Dantes Leitfigur zur Anderswelt?

Zur Anderweltsreise erfahren wir von Dante, dass es zunächst ein Spiralweg abwärts gewesen sei, anschließend ein Spiralweg aufwärts. Hier verweise ich auf meine Veröffentlichungen in „Die Reise in die Seele„, in denen ich diesen Eindruck in der gleichen Weise beschrieb. Die Seelenspaltung, der Traum mit Styx (Floßfahrttraum, das Himmelstor, Überlegungen zum Pantheismus, die himmlische Führerin, die Wesenheit in drei Personen, all das wird dem Leser meiner Werke (sowie dem Kenner von Goethes Faust, Teil 2) dann schließlich auch bei Dante bekannt erscheinen.

Man könnte die Ausarbeitung weiter fassen und noch mehr Details beleuchten. Es mag an dieser Stelle genügen. Mein Postulat jedenfalls – Dantes Leitfigur war Augustinus, nicht Vergil – dürfte in Anbetracht obiger Aussagen nachvollziehbar werden.

Bliebe an dieser Stelle lediglich, noch den Nachweis anzutreten, dass Augustinus als Leitfigur einer Andersweltreise getaugt hätte. Selbst dazu hatte ich früher bereits ausgeführt, nämlich in „17+4, Kruger und die Politik“ und zugleich die Beziehungen der Rätselmeister untereinander dargestellt. Ich nehme dazu einmal einige Überlegungen aus dem Werk (einem Gespräch darin) heraus:

„Dass es bei Augustinus ebenfalls um die Abtreibung ging, nachdem er selbst eine Frau schwängerte, ergibt sich im 4. Buch, 2. Kapitel. Die erste Prüfung ist für ihn sodann das Herausziehen der männlichen Seele, die er mit dem Tod eines namenlosen Freundes umschreibt. Der Tod der weiblichen Seele in Feuer und Qualm ereignet sich im 5. Buch im 9. Kapitel. Die Wiedergeburt der in Liebe verbundenen Seelenteile erfolgt dann im 7. Buch im 1. Kapitel. Die göttliche Aufnahme der Seele in den Schoss der Großen Mutter beschreibt Augustinus im 6. Buch im 5. Kapitel. In die gleiche Richtung gehen noch Erörterungen zu Pantheismus und Unio Mystica, die wir im 7. Buch, 1. Kapitel beschrieben finden. Im 9. Buch, 6. Kapitel, räumt Augustinus ein, dass er dem Drängen der Mutter nachgab. Im 9. Buch im 12. Kapitel, dass seine ‚Bekenntnisse‘ auslegungsfähig seien. Schließlich gesteht er unumwunden im 10. Buch im 29. Kapitel, dass er für Gott alles täte.“

Das sind einige kurze Notizen, das Gespräch enthält noch einige Details mehr, die hier ausgelassen sind. Aber noch einmal: Augustinus taugte zum Andersweltführer. Mithin möchte es fürderhin gelten: Dantes Leitfigur war Augustinus, nicht Vergil.

Für denjenigen, der mag, noch zur Vertiefung: Augustinus in der Beschreibung des Dante

Bund mit Gott

schrieb am 20.02.2017 - Grundlagen zur Mystik, Literatur, Werbung - Noch keine Kommentare

Was bleibt aus Sicht der Mystik nach dem Ende der Religionen von Bündnissen mit Gott? Zunächst darf festgehalten sein, dass solche „Bündnisse“ allein aus der persönlichen Ansprache eines einzelnen Menschen zu Gott heraus erwachsen sein können. Einen Nachweis, dass ein ganzes Volk sich mit Gott verbündete, gibt es schon vom Grunde her nicht. Denn Bündnisse mit Gott resultieren aus der ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenserfahrung (Schlüsselerlebnisse, Knotenpunkte des Lebens, Kindheitswunder) und nachfolgend Fragen an die eigene Existenz.

Zum alten Bund mit Gott: Mose erschlug einen Ägypter und wurde durch den brennenden Dornbusch von Gott angesprochen. Der Brand des Buschs (der nicht verbrennt) ist übrigens nur ein Symbol für ein Leidensfeuer. Die göttliche Ansprache des Moses erwuchs somit aus seiner persönlichen Hinwendung und zwar mit der Frage: Wie werde ich von Dir (Gott) für den Tod des Ägypters bestraft? Am Rande notiert, wird es trotz gegenteiliger Schilderung der Bibel kein Mord gewesen sein. Denn Mose erfuhr durch die Übermittlung der zehn Gebote (nach außen erkennbar) göttliche Gunst und Gnade. Grundsätzlich anders ergeht es Mördern, die mit der Erkenntnis aus dem Leiden kommen, wie viele Leben sie sich nichts zuschulden kommen lassen dürfen, um doch noch göttliche Aufnahme zu erfahren. Mehr an Einsichten gibt es nicht (weil sie sich von göttlicher Aufnahme weiter entfernt haben, als sie es ohne die Tötung getan hätten). Spricht also noch einmal für die Notwehr, ebenso die Einsicht des Mohammed, der Mose beisprang (offenbar aus eigener Anschauung) und von einer ihm zuteil gewordenen göttlichen Gunst und Gnade berichtete.

Schwieriger wird es mit der Ansprache zu Noah. Andererseits greift die Bibel diesbezüglich womöglich auf eine Schilderung aus dem Gilgamesch-Epos zurück. Zugleich kannten auch andere Kulturen die Erzählung, sodass hier vermutlich nur eine weit frühere mündliche Überlieferung adaptiert wurde. Die übrigen „Bündnisse mit Gott“ erfolgten zudem mit Schamanen, die sich ohnehin als Mittler zwischen Gott und den Menschen verstehen. Da macht Mohammed (Schamanentum wurde ihm von einem Onkel vorgehalten und er hatte Kontakt zu einem Geistwesen) ebensowenig eine Ausnahme wie der „Prophet Ezechiel“ im Buch Hesekiel, der gleichfalls zu Geistwesen (Cherubim) Kontakt unterhielt. Auch Jesus reiste schamanisch mit der Seele, war drei Tage mit der Freiseele ortsabwesend, bevor er vorgeblich „körperlich wiederauferstand“. Das hat zur Folge, dass sein Bund mit Gott ebenso wenig auf eine mystische Ansprache durch Gott, sondern allein auf sein schamanisches Selbstverständnis zurückgeht.

Bibel und Koran weisen somit lediglich auf je einen (schwachen) Bund mit Gott hin, der Rest ist (despektierlich gesprochen:) „Schamanenscheiße“. Am Rande notiert, ist aus den beiden Bündnissen allein mitzunehmen, dass sich ein Mensch wehren darf und für eine Tötung in Notwehr von Gott nicht bestraft wird. Als persönliche Einsicht wird dann offenbar weiter vermittelt, dass sich die Anfragenden für die Hinwendung zu Gott göttliche Aufnahme nach diesem Leben verdient haben. Auf ähnliche Einsichten lassen zudem Äußerungen Karls des Große oder solche von Meister Eckhart schließen. Und das ist für Werke, die sich der Entwicklung von Seele (Bibel, Koran) verschrieben haben, deutlich zu wenig. Kein Wunder also, dass die „dünne Erkenntnisbrühe“ mit schamanischen Seelenreisen aufgepeppt werden musste. Für seelische Entwicklung wäre im Übrigen zu empfehlen, statt der religiösen Werke auf die Märchensammlung der Brüder Grimm zuzugreifen. Die enthält nämlich eine zu einer Vielzahl an Erlebnissen die Auflösung begleitende Märchen, Anleitungen und Hilfen für weibliche und männliche Adepten, den Erkenntnisprozess zu bestehen. Die Grimms wussten im Übrigen auch, dass sie einen Bogen um schamanisches Märchengut schlugen, wie es die Erzählung „Die drei schwarzen Prinzessinnen“ eindrücklich nachweist. Übrigens finden Sie Erläuterungen zu allen Schlüsselerlebnissen und Auflösungsprozessen in meinem Buch „Mystisches Deutschland„, zu erwerben bei Amazon.

Nehmen wir zum Schluss noch Hinduismus, Buddhismus und Jainismus mit in die Betrachtung hinein, bleibt, was einen „Bund mit Gott“ anbelangt, jeweils ein Erlebnis gegen die sexuelle Selbstbestimmung übrig. Die aus der Auflösung der Abtreibung ableitbaren Einsichten (siehe Goethes „Faust“ oder Nietzsches „Zarathustra“) fanden dagegen kaum oder keinen Eingang in die Lehren, selbst wenn Brahmanen einen gewollten Schwangerschaftsabbruch bis in den fünften Monat hinein für statthaft halten. Tiefere Erkenntnisse wie etwa die Dualität der Seele, die Notwendigkeit des Leidens und anderes „Geheimwissen“ aus einem „Bund mit Gott“ sind dagegen unzureichend oder gar nicht zu erkennen.

Inhalt des Faust Teil 2

schrieb am 20.02.2017 - Buchvorstellung, Grundlagen zur Mystik, Literatur - Noch keine Kommentare

Der Inhalt des Faust Teil 2 beschäftigt sich erneut mit der Auflösung der Abtreibung. Dieses Mal ist es Faust selbst, der Gretchen nachzuziehen hat. Er nutzt dazu eine erneute Initiation zum Wechsel auf die mystische Seite. Der Autor zum Wechsel:

Anaxagoras  (nach einer Pause feierlich)

Konnt’ ich bisher die Unterirdischen loben,
So wend’ ich mich in diesem Fall nach oben…
Du! droben ewig unveraltete,
Dreinamig-Dreigestaltete,
Dich ruf’ ich an bei meines Volkes Weh,
Diana, Luna, Hekate!
Du Brust-Erweiternde, im Tiefsten-Sinnige,
Du Ruhig-Scheinende, Gewaltsam-Innige,
Eröffne deiner Schatten grausen Schlund,
Die alte Macht sei ohne Zauber kund!

Nach Verlass auf die Manneskraft mit nachfolgendem Scheitern als Schamane darf nicht verwundern, dass sich Faust nun auf seine weibliche Seite einlassen will. Als erstes Erlebnis erfolgt deshalb das Herausziehen der männlichen Seele zum Ende des ersten Aktes. Dies, so Goethe, entwickelt sich in einem „alten Tempelbau“, was im Grunde den eigenen Körper bezeichnet. Heraus tritt der schöne Paris, die männliche Seele des Faust. Im anschließenden zweiten Akt finden wir Faust deshalb zunächst malad im Bett vor, weil ihn der Prozess ordentlich erschöpfte.

Inhalt des Faust Teil 2

Goethe, unbekannt geblieben als Rätselmeister

Die nun folgenden Szenen durchlebt Faust in den Frauenwelten, wobei ihm der getötete Fötus als „Homunculus in der Phiole“ zur Sinnbild und Leitstern des eigenen Strebens um Erkenntnisse wird. Ob Mummenschanz, griechische Götterwelt oder nochmals dem Versuch einer „Anbiederung (Kriegszug) an die Männerwelt“, Faust bleibt ein Weiterkommen zunächst verwehrt, weil er die weibliche Seele in sich zu entwickeln hat. Erst zur Mitte des fünften Aktes kann er schließlich Fortentwicklung vermelden. Im Rahmen der Grablegung wird ihm verbliebene weibliche Restseele ausgebrannt.

Zum Ende des fünften Aktes erfolgt dann mit der Wiederbeseelung (Dialog von Pater Seraphicus und den seligen Knaben von innen) das Ende des mystischen Erkenntnisprozesses, das Goethe zu einem Bittwort nutzt: „Jungfrau, Mutter, Königin bleibe gnädig“, mit anderen Worten: Gott-Frau, bleibe mir bitte gewogen. Damit wird klar, dass sich Faust schließlich ebenso erretten kann, wie es bereits Gretchen im ersten Teil für sich erfuhr.

Lassen wir den Autor zum Gang der Ereignisse und damit zum Inhalt des Faust Teil 2 noch einmal selbst zu Wort kommen:

 Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein (Selbsterkenntnis).
Versuch’ einmal dich innigst aufzulösen (Trennung der Seelenteile):
Dem frommen Manne nötig wie dem bösen (Kommentar überflüssig).
Dem ein Plastron, asketisch zu rapieren (Plastron=Brustpanzer, Rapieren = ausbeinen, bedeutet Herausziehen der männlichen Seele),
Kumpan dem andern, Tolles zu vollführen (Ausbrennen der weiblichen Seele),
Und beides nur, um Zeus zu amüsieren (für göttliche Aufnahme).

Das Resümmee zum Inhalt des Faust Teil 2: In beiden Teilen des Faust geht es um die Auflösung der Abtreibung, wobei beide Adepten für sich „Göttliche Aufnahme“ dank seelischer Entwicklung vermelden dürfen. Der Gang der Eireignisse ist bei Männern allerdings härter und deshalb mit mehr Erkenntnissen verbunden, weshalb nicht Faust allein Hohe Meisterschaft, sondern Rätselmeisterschaft vermelden darf.

Nachtrag: Gleiches wie für den Faust gilt für Friedrich Nietzsche und sein Buch „Also sprach Zarathustra“. Weiß man nicht, dass es um die Auflösung der Abtreibung geht, um tote, von Gott geborene Seelenkörper und im übertragenen Sinne getötete Gottesbilder, scheitert man mit der Interpretation hoffnungslos. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang zudem auf die Märchen „Der Trommler“ bei den Brüdern Grimm sowie „Die Schlange im brennden Wald“ und „Der Jüngling im Feuer und die drei goldenen Federn“ bei Johann Wilhelm Wolf. Zum Gesamtkomplex siehe auch „Die Wahre Tetralogie“, zur Übersetzung des Laotse und zum Taoteking. Daher noch einmal: Frage man doch jemand, der sich damit auskennt.

Inhalt des Faust Teil 1

schrieb am 20.02.2017 - Buchvorstellung, Grundlagen zur Mystik, Lebensgeschichte, Literatur - Noch keine Kommentare

Der Inhalt des Faust Teil 1 gehört einer strukturierten Betrachtung unterzogen. So sollte man wissen, dass sich beide Teile des Buchs mit der Auflösung der Abtreibung beschäftigen. Schüler mögen im Übrigen mit den hier dargelegten Einsichten sorgsam umgehen. Denn die meisten Lehrer sind wenig erfreut, mit einer höheren Wahrheit als der ihren konfrontiert zu werden. Zu den drei Handlungsebenen und damit zum Inhalt des Faust Teil 1:

Inhalt des Faust Teil 1

Goethe, unbekannt geblieben als Rätselmeister

Auf der ersten Ebene möchte Faust ein Weiser werden. Er bedient sich dazu des Mephisto, um die notwendigen Erlebnisse zu erwerben. Er verführt zunächst ein junges Mädchen, die von ihm schwanger wird. Von ihr dazu zur Rede gestellt, wendet sich Faust auf eine schwammige Gottesvorstellung heraus. Die ob des Kindes gesellschaftlich gebotene Ehe lehnt er somit ab. Faust tummelt sich im Anschluss mit Mephisto zur Walpurgisnacht auf dem Blocksberg, um weiteren Unsinn auzuhecken. Die Lust vergeht ihm, als er die Verführte als Gefangene und Geköpfte unter den Hexen erkennt.

Die nächste Betrachtung gilt der Verführten (Gretchen) selbst. Sie stellt sich ihrer Verantwortung und nimmt dazu (Kerkerszene) alle Schuld auf sich. Stellt sich die Frage, was sie zu verantworten hat? Selbstredend wurde ihre Mutter nicht von ihr vergiftet, sie war nur Dank des Trankes wie tot. Ebenso trieb es nicht Gretchens Bruder einen Degen ins Herz, als Faust seine Schwester sitzen ließ. Es gab stattdessen einen übertragen zu deutenden Stich ins Herz, weil Gretchen ihn gesellschaftlich kompromittierte. Übrig bleibt die Einnahme eines Trankes aus einem Fläschchen, das sie von der Nachbarin erhielt. Selbst wenn vorgeblich ein „von der Gesellschaft ertränktes Kind“ gewesen sein soll, wird wegen des Fläschchens klar, dass Gretchen selbst eine Entscheidung gegen das werdende Leben in ihrem Körper traf. Dafür und für die Enttäuschung von Mutter und Bruder geht sie schließlich „zum Blocksberg“, wo sie von oben ein ihr gewogenes Gottesurteil erfährt, „Ist gerettet“ (Faust Teil 1, Kerkerszene zum Schluss).

Letzte Betrachtung zum Inhalt des Faust Teil 1: Faust „baut nicht nur Mist“ mit Gretchen, die er verführt und sitzenlässt. Er offenbart des Weiteren eines seiner Schlüsselerlebnisse, nämlich eine „Seelenwanderung“, von der er sich leiten lässt und deshalb geradewegs ins Schamanentum befördert wird. Wir erleben hier damit bereits einen ersten Auflösungsversuch, mit dem Faust allerdings scheitert. Im zweiten Teil, weil ihn nämlich das Schamanentum anwidert, wendet er sich deshalb der Mystik zu. Allerdings nimmt er aus der Sackgasse „Schamanentum“ noch eine Einsicht mit: Ihm wird klar, dass Jesus am Kreuz ebenfalls nur schamanisierte und es keine körperliche Wiederauferstehung des Gekreuzigten gab. Das bedeutet für ihn die positive Seite des Scheiterns: Er erlangt ein tieferes Verständnis für das Christentum und erkennt den Irrtum, auf dem es aufgebaut ist. Somit lässt sich zum Inhalt des Faust Teil 1 festhalten, dass eine Frau, die sich wegen des Schwangerschaftsabbruchs an Gott wendet, für die Hinwendung in den Himmel kommt. Zugleich wird das Christentum als Schamanentrug enttarnt.

Nachtrag: Hier wie in jeder Hinsicht gilt: Wenn man sich etwas nicht aus eigener Erfahrung selbst erschließen kann, sollte man jemanden fragen, der sich damit auskennt. Der Unterzeichner etwa wäre so ein Jemand, da er selbst als Mann die Abtreibung auflöste und deshalb wie Goethe oder Nietzsche ein Rätselmeister wurde. Seine Bücher gibt es bei Amazon. Damit zum spannenden Teil 2 des Faust.

Heidentum gegen Religion

schrieb am 19.01.2017 - Literatur, Pamphlet - Noch keine Kommentare

Heidentum gegen Religion – ist das vielleicht der Weg, den Untergang des christlichen Abendlandes abzuwenden? Wohl niemand möchte westliche Werte oder gar die Demokratie gegen einen islamischen Staat aufgeben, oder?

Da stand ich letztens mit einigen Katholiken zusammen. Sie beklagten das Ausbleiben der Gläubigen zur Messe sowie die Ausbreitung des Islam. Während immer weniger zur Kirche gingen, sprössen die „Gebetshäuser“ der Neuankömmlinge wie Pilze aus dem Boden. Dem leiste sogar noch mancher Bürgermeister durch das Verschenken von Grundstücken Vorschub, damit bald Minarette noch die Hochhäuser und Kirchtürme seiner Stadt überragen würden. Auf meinen gutgemeinten Vorschlag hin, man möge dem inhaltlich entgegentreten, erntete ich statt eines kämpferischen Aufbruchs nur Resignation.

Religion – Inhalte und Wahrheiten

Die Haltung ist verständlich. Das Christentum postuliert, dass sein Messias in nur drei Tagen am Kreuz alle Schuld (von) der Welt hinweg genommen habe. Das ist wahrlich eine tolle Religion, allerdings mehr für Schurken, Halunken und Verbrecher, die vorgeblich mit der Absolution der Kirche und ein paar Vaterunsern trotzdem in das Himmelreich kommen sollen. Daneben bietet die Glaubenslehre statt einer Anleitung zur Gotteserfahrung nur eine solche zum Beten und Glauben. Wie viel fortschrittlicher erscheint da der Islam? Geoffenbarten Worten, vorgeblich göttlichen Ursprung, leuchtet das Siegel aller je gewesenen Propheten voran, ein Mann, der Moses und Jesus gleichermaßen im Denken, Fühlen und Handeln nachfolgte (er behauptete: diese überflügelte). Denn wie Moses löste er das Schlüsselerlebnis „Tötung in Notwehr“ auf, weshalb er ständig auf die verzeihende Güte des Allerhöchsten verwies. Und wie Jesus am Kreuze schamanisierte er in seiner Höhle, auf dass ihm ein zur Seite stehender Geist namens Gabriel vorgeblich göttliche Worte übermitteln konnte.

Großes Kino, meine Herrschaften. Die Anhänger der einen Religion können ungestraft töten und morden, weil ihnen die Kirche dazu die Absolution erteilt. Und die Anhänger der anderen Religion dürfen vorgeblich „Ungläubige“ töten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Denn deren Prophet glaubte in unzulässiger Verallgemeinerung der Einsichten aus der Auflösung einer Tötung in Notwehr, dass jedes im Sinne der Religion „berechtigte“ Morden von Gott entschuldigt würde. Am Rande notiert, nicht viel besser Kollege Buddha, der postulierte: „Es gibt keinen Täter, es gibt nur die Tat“.

Würde man stattdessen einmal den Menschen zuhören, die sich ob eines Mordes oder des Tötens als Soldaten persönlich an Gott wandten und dafür Verantwortung übernahmen, wäre die Einsicht eine völlig andere. Man würde über Schuld und Sühne für das Töten völlig Verschiedenes erfahren. Man würde hören, dass man sich für einen Mord soundsoviele Leben nichts mehr zuschulden kommen lassen darf, will man noch in das Himmelreich. Denn das Morden – meine Herrschaften – bleibt vor Gott nie ungestraft! Im Vergleich also von Heidentum gegen Religion schneidet Ersteres schon deshalb regelmäßig besser ab. Denn statt pauschale Schuldfreiheit gibt’s für die persönliche Hinwendung zu Gott ein ganz persönliches Urteil. Und damit wird jeder durch die Hinwendung zu Gott sein eigener Religionsstifter.

Heidentum gegen Religion - Literatur gibt die Anwort

Die Auferstehung der Könige – ein Weckruf an Dichter, Denker und Märchenerzähler

Heidentum gegen Religion – die Lösung

Bleibt mithin festzuhalten, dass nur das Heidentum gegen Religion bestehen kann. Denn nur das Heidentum gewährt jedem Menschen persönliche Hinwendung zum Allerhöchsten, nämlich zur Mutter aller Seelen. Nur das Heidentum verhindert unzulässige Verallgemeinerungen persönlicher Einsichten und nur das Heidentum verhindert zugleich das Abschneiden von eigener Erkenntnis. Und um das Heidentum gegen Religion zu stärken, hat der Autor dieser Zeilen bei den Faltern den Tempel zur Auferstehung der Könige installiert (Bild nebendran und hier der Link zur IG-KLM). Wollen wir mit dem Weckruf an die Könige die Hoffnung aussprechen, dass der deutsche Seelenadel, sprich große Dichter und Denker deutscher Zunge sowie die großen deutschen Märchenerzähler, nunmehr den Religionen entgegentreten. Denn gegen „Heeere aus dem Osten“ ist das Christentum chancenlos.

Kommentar über Nietzsches Zarathustra

schrieb am 11.12.2016 - Grundlagen zur Mystik, Lebensgeschichte, Lebenshilfe, Literatur, Philosophisches - Noch keine Kommentare

Mein verstorbener Freund Dieter Scholich träumte von einem Kommentar über Nietzsches Zarathustra. Sein Tod 2002 kam seinen diesbezüglichen Überlegungen dazwischen. Aus heutiger Sicht hätte ich ihm abgeraten, es alleine zu versuchen. Es hätte eher ein Projekt von uns beiden werden können. Denn Nietzsche selbst führte aus, dass er auf mehreren Wegen, nämlich inneren (wie äußeren), zur Erkenntnis gelangte.

Sehr offen spricht er die zwei inneren Wege im Kapitel „Vom Gesicht und Rätsel“, Nummer 2, an, wenn er konstatiert,: „Zwei Wege kommen hier zusammen; die ging noch niemand zu Ende.“ (Es fehlt der Nach-Halbsatz: „weil man sich entscheiden muss“.) Jemand, der um solche Feinheiten weiß, wird den Satz verstehen, der andere nicht. Ich frage Sie: Wissen Sie, um welchen Entscheid es geht? Ich denke nicht, doch schenke ich Ihnen die Antwort: Es geht um den Seelenentscheid zwischen Mystik und Schamanentum, der etwa ebenso Hesse dazu inspririerte, im Steppenwolf zu warnen, nicht die schöne Frau in sich zu töten. Man verbliebe im Magischen Theater. Verstanden? Nun, wir werden das sogleich vertiefen:

Nietzsche selbst führt zum eingangs zitierten unvollkommenen Postulat weiter aus: „Diese lange Gasse zurück; die währt eine Ewigkeit. Und jene lange Gasse hinaus – das ist eine andere Ewigkeit. Sie widersprechen sich, diese Wege; sie stoßen sich gerade vor den Kopf; – und  hier, an diesem Torwege, ist es, wo sie zusammenkommen. Der Name des Torwegs steht oben geschrieben: <Augenblick>“. –

‚Schamanentum’ ist der eine langen Wege, von dem die Menschheit profitierte, als es noch keine Wissenschaften gab, weil Schamanen Geistwissen auf die Erde holten. ‚Mystik’ nennt sich der andere lange Weg von der Erde weg, aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt der Seele heraus, hin in die Ewigkeit Gottes. Und tatsächlich hat man sich in einem Augenblick zu entscheiden, welcher Seelenteil denn da im Traum „unter die Räder kam“. Es ist das Rätsel, dass am Ende mit einem Traumgesicht „entlohnt“ wird. Und ob man es dann richtig machte, den tumben Jüngling zu opfern, wusste dann auch Hesse, wie oben gesehen.

Mir stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob ein Wissenschaftler tatsächlich in der Lage wäre, ohne Kenntnisse der Bilder eines inneren Leidensprozesses zu erraten, was Nietzsche da beschrieb? Nicht umsonst hielt der Autor selbst sein Buch (Untertitel) „Für alle und keinen“ für das tiefste Buch, das die Menschheit besitzt. – Zu seinem Erkenntnisgang führte er im Übrigen aus: „Selig aber ist der also Schwangere“, weil die Abtreibung die Geheimnisse des Lebens für uns Menschen bereit hält. Zum Schwangerschaftsabbruch selbst aus dem Kapitel „Von alten und jungen Weiblein“: „Alles am Weibe ist ein Rätsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heisst Schwangerschaft. Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind.“ Solche Einsichten können Frauen am eigenen Leib erfahren, Männer müssen sich dazu erst einmal ein Gefühl erarbeiten, wie schwanger zu sein. Aber dann können sie noch viel mehr als Frauen erreichen, denn ihr „Mitleiden“ nennt sich ‚Martyrium’. Noch einmal daher frage ich Sie: Hätte das ein Wissenschaftler nachvollziehen können? Lesen wir solche Einsichten bereits heutzutage in einem Kommentar über Nietzsches Zarathustra? Hätte es mein Freund Dieter Scholich vielleich am Ende sogar mehr erarahnt als gewusst?

Exkurs zu Dieter Scholich

Ein Kommentar über Nietzsches Zarathustra war sein Traum

Dieter Scholich, Anfang der 1980er in Brandenberg / Tirol

Dieter Scholich war Philosoph und studierte in Düsseldorf. Er legte seine Prüfung einen ganzen Tag lang vor sechs Professoren seiner Fakultät ab, musste zur Prüfung die gesamte Philosophiegeschichte, Theorien, Überlegungen, Diskussionen usw. im Kopf abrufen können und – bestand mit „Sehr gut“ plus. Nach seiner Ansicht (daran hat sich seit seinem Tod noch nichts geändert) dreht sich die Philosophie heute im Kreise. Sie biedert sich mal den Psychologen, mal den Neurologen an, um bei einem Schulterblick womöglich etwas über das Menschsein zu erhaschen. Dieter lehnte dieses Anbiedern kategorisch ab, bevorzugte eine Empfehlung in Richtung Mystik und musste deshalb seine Doktorarbeit einstellen. Ihn, den damals brilliantesten Philosophen Deutschlands, kostete seine Unbeugsamkeit die Karriere und (meine Vermutung) am Ende sogar verfrüht das Leben. Ich bin mir allerdings sicher, er hätte einem Kommentar über Nietzsches Zarathustra (selbst ohne eigenen Erkenntnisweg) mehr Leben eingehaucht, als Dutzende Philosophen und Literaturwissenschaftler, die aktuell Nietzsche vergewaltigen. Dass er Nietzsche besser verstanden hatte, als seine Wissenschaftler-Kollegen heute, bewies er mit der Theorie, dass eine zur Abtreibung genötigte Frau für „ihr Opfer“ zum Ausgleich göttliche Erkenntnis erhalten müsste. Für mich war das der Zuspruch, in das Martyrium um den Schwangerschaftsabbruch einzusteigen.

Allerdings irrte Dieter auch. Eine solchermaßen belastete Frau erhält für die Auflösung der Abtreibung nur eingeschränkt „göttliche Erkenntnis“. Ihr wesentlicher Gewinn konzentriert sich auf „göttliche Selbsterkenntnis“ (Mord ja/nein und göttliche Aufnahme) und ist zudem im Blick auf das Göttliche beschränkt. Dagegen steht „göttliche Erkenntnis“ im eigentlichen Sinn allein Rätselmeister/Innen offen. Mit anderen Worten: Der Martyrer um die Abtreibung erfährt mehr Weisheit als eine Frau, die für das Ende ihrer seelischen Beschwernis Gott um Erkenntnisse angeht. Das freie Leiden um Einsichten wird folglich mit deutlich vertiefterer Erkenntnis entlohnt. Insgesamt steht hinter der Auflösung aller Schlüsselerlebnisse ein göttliches Belohnungs- und Bestrafungssystem, um das Dieter ahnte und ich weiß.

Doch zurück zum Thema: Dieter hätte mit seinem perofunden Kenntnissen der Philosophie und deren Geschichte sicher einen sehr guten philosophischen Kommentar über Nietzsches Zarathustra verfasst. Dagegen könnte ich mit meinen profunden Kenntnissen über Leidensprozesse einen schamanisch/mystischen Kommentar über Nietzsches Zarathustra schreiben. Zusammen wären Dieter und ich damit jedenfalls ein unschlagbares Team geworden. Es hat nicht sollen sein und ob ich mich einmal an eine solche Aufgabe herantraue, weiß ich derzeit nicht. Was ich allerdings gerne mitgebe, sind Gedanken zu einzelnen Kapiteln des Zarathustra, wie etwa zum Thema „Von Kind und Ehe“. Mir bleibt zu hoffen, da man üblicherweise seelisch noch unfertige Studenten durch den Zarathustra jagd, um sich anschließend professorenseits mit fremden Federn zu schmücken, uns bleiben weitere Dümmlichkeiten zu diesem Buch aus der Ecke der Wissenschaften erspart.

Besser Mystik statt Unsinn

schrieb am 12.06.2016 - Allgemein, Literatur, Philosophisches - Noch keine Kommentare

Besser Mystik statt Unsinn zu lauschen, ist die klügere Wahl. Nehmen Sie daher lieber für sich Weisheiten aus den Werken der großen Dichter und Denker auf, als falschen Informationen aufzusitzen. Denn allzu viele dieser Fehler prägen unser Leben.

Fehlinformation 1: Viele Märchen seien einst erzählt worden, Menschen in seelischen Notsituationen Hilfe und Stütze sein zu können. Durch die Aufzeichner sei jedoch deren Sinn so verstümmelt oder gar verfälscht worden, dass diese heute nur noch als Kinderbelustigung durchgehen könnten. – Besser Mystik statt Unsinn, denn diese Information ist falsch: Es ist noch heute alles in den Märchen (etwa der Brüder Grimm) enthalten, was einst an Informationen hineingebracht wurde. Märchen können noch heute Hilfe und Stütze sein. Nur der tiefe Sinn wird von fast niemandem mehr verstanden.

Fehlinformation 2: Es gäbe keine Menschen mehr, die noch „Hohe Litetratur“ verfassen könnten. Wir wären also dazu verdammt, uns an den Ergüssen minderbemittelter und unterdurchschnittlicher Autoren zu erfreuen, wenn wir denn aktuelle Literatur lesen möchten. – Besser Mystik statt Unsinn, denn diese Information ist falsch: Wenn sich Autoren, anstatt sich in Banalitäten und der Schilderung ihres vermaledeiten Lebens zu ergehen, um Weisheit bemühen würden, könnte auch wieder „Hohe Literatur“ geschaffen werden.

Fehlinformation 3: Die Religionsstifter waren so unglaublich besondere Menschen, von Gott erwählt, uns göttliche Weisheit zu präsentieren. Niemals wären wir in der Lage, die Gegensätze zwischen den Lehren aufzuheben. Ein jeder müsste sich in der Konkurrenz von Glaubenslehren einen Weg für sich suchen. – Besser Mystik statt Unsinn, denn diese Information ist falsch: Es besteht sehr wohl die Möglichkeit, eine jede religiöse Lehre seit Anbeginn der Zeit auf die Lebenserlebnisse des oder der Stifter zurückzuführen. Damit kann jede der Lehren in einen Kontext gestellt werden, in dem sie mit verarbeiteter Lebenserfahrung von Märchenerzählern und Literaten verglichen werden kann. Es gibt und gab nie exklusive Weisheit für einzelne Menschen, nur unterschiedliche Einsichten abhängig von verschiedenen Voraussetzungen und Ausgangspunkten. Damit wird ein jeder Mensch in der Lage versetzt, aus seiner Erfahrung heraus neben besonderem Wissen sich seine eigene Glaubenslehre zu schöpfen.

Fehlinformation 4: Die Psychoanalyse ist der goldene Weg zum eigen Selbst. Im Kumul mit Gehirnforschern würde uns eine rosige Zukunft eröffnet. – Besser Mystik statt Unsinn, denn diese Information ist falsch: Immer schon mussten sich Menschen mit ihrer Lebensgeschichte auseinandersetzen. Sie wählten dazu Wege der Märchenerzähler, Literaten oder Religionsstifter. Mit strukturierter Arbeit und Analyse der alten Wege Mystik und Schamanentum (sogenannte 2-Wege-Lehren) erfahren wir mehr über uns, den Sinn des Lebens oder über Gott, als mit jeder modernen Wissenschaft. Denn es war immer Gottes Wille, dass jeder Mensch an jedem Punkt des Universums mit seiner Erfahrung aus sich heraus Kenntnisse über sich, das Leben an sich und Gott schöpfen kann.

Die „Wahre Tetralogie“ des Autors führt deshalb alle Informationen aus Märchen, Literatur und Glaubenslehren zusammen. Dies erfolgt zudem ehrlich, offen und jederzeit nachprüfbar. Dazu werden alle Einsichten aus jeglicher Arten von Prozessen in ihren Gesamtzusammenhang (Göttliches Belohnungs- und Bestrafungssystem) gebettet. Die genannten Prozesse sind natürlich insbesondere solche der Auseinandersetzung mit verschiedenen und besonderen Lebenserlebnissen (auch Schlüsselerlebnisse oder Knotenpunkte des Lebens genannt). Zwei Wege werden dabei als „Königswege zur Erkenntnis“ offenbar, „Schamanentum“ und „Mystik“, die deshalb in allen Einzelheiten dargestellt werden. Wenn allerdings schließlich der „Mystik“ der Vorzug gegeben wird, so weil wir in modernen Gesellschaften dank der Wissenschaften keine schamanischen Seelenreisen mehr benötigen, damit Erkenntnisse über die Welt oder Heilwissen auf die Erde zu bringen. Also: Wenn Sie sich sachkundig informieren möchten, dann tun Sie es hier, statt jeder Menge falscher Infos aufzusitzen. Diese Empfehlung geht insbesondere an diejenigen, die sich stark genug fühlen, mit Selbst- und Gottvertrauen ihren eigenen Weg zu meistern. Denken und Fühlen allerdings müssen Sie beherrschen oder aber auf mehr Glück in einem nächsten Leben hoffen. Hört sich womöglich böse an und ist es wohl auch. Denn wer seinen Verstand nicht trainiert, wer prägende Lebens-Erlebnisse und den Schmerz darin nicht zulässt, wird sein Ziel in der Welt nicht erreichen.

Mystik Pepe und Mord ?

schrieb am 28.04.2016 - Allgemein, Lebensgeschichte, Literatur, Philosophisches - Noch keine Kommentare

Gehen ‚Mystik Pepe und Mord‘ zusammen, sprich: gelangte ich über einen Mord zur Erkenntnis? Schon manches Mal wurde ich das gefragt, nämlich welche Schlüsselerlebnisse meinem Erkennen zugrunde lagen. Uns in diesem Zusammenhang vermute schon mancher einen Mord als Ausgangspunkt des Leidens. Nein Herrschaften, nichts dergleichen, denn Gott würde nicht mit einem Mörder zusammenarbeiten, weil sich jener von göttlicher Aufnahme weiter entfernte, als dass er sich Aufnahme nach diesem Leben verdiente. „Der gewalttätig Balkenstarke erlangt nicht seinen eigenen Tod“, dichtete hierzu der chinesicsche Spruchdichter Laotse vor 2.600 Jahren, und meinte damit den Verdienst des Austritts aus dem Geburtenkreislauf.

Statt der unsinnigen Frage ‚Mystik Pepe und Mord?‘ liegen der Rätselmeisterschaft ein Prügelerlebnis, eine Seelenwanderung sowie der Verlust eines nahen Angehörigen zugrunde. Alle drei Erlebnisse werden im Leiden zusammengeführt, die Abtreibung aufzulösen. Denn diese bietet in einem Erlebnis erstens die Last, zweitens ein „Seele rein raus“ sowie drittens eine Anmutung zum Tod, mithin die Inhalte der drei vorgenannten Erlebnisse. Von den gleichen drei Erlebnissen berichtete übrigens auch Goethe im „Wilhelm Meister“. Seine Erinnerungen bettete er ein in das banale Dasein einer Theatergruppe, diese als Sinnbild einer vorgeblich realen Welt (in der wir alle leben).

Doch zurück: Darüber hinaus galt es, sich wie Buddha mit einem Erlebnis gegen die sexuelle Selbstbestimmung herumzuschlagen. Am Rande notiert, wie es Nietzsche im Zarathustra anschnitt, nämlich nebenbei zum „Abkühlen“. Denn zur Auflösung einer „Vergewaltigung“ (selbst einer „Kopfgeburt“), ebenso von Tötungsdelikten, bedarf es keinem „Sterben, bevor man stirbt“. Übrigens werden Ergebnisse letzterer (Mord, Notwehr etc.) von Betroffenen „kostenfrei“ vorgetragen, denn von Frauen, die um das Thema „Abtreibung“ leiden, bekommen „Mörder“ in der Regel keine Antworten. Ein Grund dafür ist das dem Leiden immanente Schweigen. Andererseits sieht kaum jemand eine Notwendigkeit, sich der eigenen Sprachlosigkeit zu erwehren. Ausgenommen davon sind Rätselmeister, denn bei ihnen geht es ja um die Fortentwicklung der Menschheit, weshalb sie „Reden“ und „Erklärungen abgeben“ können müssen.

Noch einmal: Auf zwei verschiedenen Schienen gelangte ich zur Erkenntnis. Als Mann mit eigenen Erlebnissen, um die Abtreibung leidend, und zudem – der Abkühlung wegen – auf Buddhas „glorreichem“, mittleren Weg. Da ich zudem nicht zur Abtreibung nötigte, war Ersteres zugleich ein reines Martyrium, dies gegenüber dem „gewöhnlichen“ Mitleiden noch einmal mit zusätzlichen Einsichten belohnt. Dazu gehörten neben Einsichten um das Wesen des Göttlichen, einer Trinität von Frau-Mann-Liebe mit Schwerpunkt auf einer „Führerin des Alls“ (einer Erden- oder Weltenmutter, wie auch immer), zugleich eben solche Einsichten in alle anderen Basis-Prozesse um Schlüsselerlebnisse. Das bietet den Vorteil, die Grundzüge des gesamten göttlichen Belohnungs- und Bestrafungssystem herausarbeiten zu können. Also weit entfernt von ‚Mystik Pepe und Mord‘.

Dieses Wissen erlaubt es anschließend, aufgrund der aus allen Prozessen bekannten göttlichen Selbsterkenntnisse, im Umkehrschluss aus bislang verschlossenen Prozessen Einsichten zu extrahieren und diese wiederum zweifelsfrei Schlüsselerlebnissen zuzuordnen. Weiß ich etwa, was bei Vergewaltigung „herauskommt“, komme ich dahinter, wie ein Vergewaltigungsopfer tickt und wie es sich mit göttlicher Selbsterkenntnis sein Weltbild „strickt“, und so weiter. Damit können verschiedene Meisterschaftsstufen identifiziert sowie Literatur, Märchen und Religionen auf einzelne Knotenpunkte des Lebens zurückgeführt werden. So entpuppte sich Buddha eben als mittlerer Meister, als nämlich das Opfer eines Erlebnisses um die sexuelle Selbstbestimmung, dagegen Moses oder auch Mohammed als niedere Meister, deren Ausgangspunkte des Erkennens in Notwehrtaten lagen. Bedeutet im Weiteren natürlich, dass man die Lehren der Religionsstifter allesamt dorthin stellen kann, wohin sie gehören. Und mit dieser Aussage noch einmal zurück zur Eingangsfrage: Könnte es also doch die Kombi ‚Mystik Pepe und Mord‘ gewesen sein? Nein Herrschaften, solche Einsichten, bitteschön, gewährt Gott keinem Mörder, keinem Menschen, der sich von göttlicher Aufnahme durch seine Tat weiter entfernte, als wenn er das Töten gelassen hätte.

‚Die Reise in die Seele‘

schrieb am 17.10.2015 - Buchvorstellung, Lebensgeschichte, Lebenshilfe, Literatur, Philosophisches, Politik, Werbung - Noch keine Kommentare

Hilfe zur Selbsthilfe bietet das Buch ‚Die Reise in die Seele‚ mit dem Untertitel ‚Seelische Selbstheilung und Seelenentwicklung‘. Mancher mag dabei zurückschrecken, weil er sich bei seelischer Eigenentwicklung in seinen Grundauffassungen bedroht sieht. Doch sogenannte „religiöse Gefühle“ sind in erster Linie ein Produkt lebenslanger Konditionierung. Denn nicht Sie selbst haben eigenes Erleben in persönliche Erkenntnisse umgesetzt, sondern es wurde Tradiertes unreflektiert als eigene Weisheit ausgegeben. Hinzu traten regelmäßig gruppendynamische Prozesse und dies gleich von der Entstehung der Glaubenslehren an.

Eine Seelenreise zur Selbsthilfe

Die Reise in die Seele – Seelische Selbstheilung und Seelenentwicklung

Ausgeführt hatte ich bereits, dass prägende Erlebnisse, „Knotenpunkte des Lebens“ oder auch „Schlüsselerlebnisse“ genannt, der Gewinnung tiefer Einsichten vorausgehen müssen. Erst wenn die Seele so richtig beschwert ist, so zeigt es besonders mein Buch ‚Die Reise in die Seele‘ auf, findet sich nämlich ein Zugang zu ihr. Da die Seele des Weiteren der unsterbliche Teil des Menschen ist, sie zudem von Gott geboren wurde, liegen in der Aufarbeitung der Erlebnisse die Einsichten um göttliche Selbsterkenntnis und göttliche Erkenntnis verborgen. In den Religionen finden wir häufig philosophische Gedanken, angeknüpft an schmale eigene Einsichten. Grund hierfür: Weil nicht in jedem Erlebnis gleich viel an Erkenntnis steckt, musste dazugedacht werden, wenn es sonst nicht reichte.  Den „Gläubigen“ war es meist egal, Hauptsache es gab jemanden, der Verantwortung übernahm. Letztendlich durfte es sogar dahinstehen, ob derjenige Einsichten nur vorgab, weil man mangels eigener Beschwernis der Seele ohnehin keinen Erkenntnisprozess starten konnte. Und wenn sich genügend „Jünger“ fanden, einem Herren hinterherzulaufen, dann musste es ja etwas Wahres an seinem Salm geben.

Das dickste Problem an dieser Stelle bereiten heutzutage diejenigen, die nicht charmant dem Gegenüber seinen Querkopf lassen, sondern ihm stattdessen die Rübe von den Schultern hauen wollen. Und wenn dazu ein „Macht Euch die Erde untertan“ es verhindert, dass wir mit den Ressourcen dieses Planeten und unseren Mitmenschen behutsam umgehen, dann wird es allerspätestens Zeit an diesen Verhältnissen, nämlich der Delegation eigener Verantwortung, etwas zu ändern. Dem steht nicht entgegen, dass nicht jeder bereits in diesem Leben die für den Austritt aus dem Geburtenkreislauf notwendige eigene göttliche Selbsterkenntnis wird erlangen können. Ebenso wenig darf man sich daran stören, dass es für eigene göttliche Erkenntnis nicht reichen könnte. Im Grunde kann ich es da nur mit den Worten Goethes zum Ausdruck bringen, der in der Schüler-Mephistopheles-Szene empfiehlt: „Ich wünschte nicht, euch irre zu führen. (Doch) was diese Wissenschaft (die Theologie) betrifft: Es ist so schwer den falschen Weg zu meiden, es liegt in ihr so viel verborgnes Gift und von der Arznei ist’s kaum zu unterscheiden. Am besten ist’s auch hier, wenn ihr nur einen hört, der auf des Meisters Worte schwört. Im Ganzen – haltet euch an Worte! Dann geht ihr durch die sichre Pforte zum Tempel der Gewissheit ein.“ Oder Letzteres anders formuliert: Haltet Euch an die Worte der großen Meister, statt an den Salm der Religionsstifter. Dies gelingt Ihnen etwa mit dem Erwerb des Buchs ‚Die Reise in die Seele‘.

In diesem Sinne behandelt letztlich auch die „Wahre Tetralogie“ eigene wie fremde Einsichten aus Sicht eines „Großmeisters“ oder Rätselmeisters der Mystik. Der erste Band ‚Mystisches Deutschland‘ hat die Einsichten aus Märchen zum Thema, solche, die die einfachen Menschen des Volkes, mangels der Fähigkeit zu schreiben, auf diese Weise weitergegeben haben. ‚Lebenssinn und Weisheit‘ behandelt die Erkenntnisse und die Umsetzungen von Dichtern, Denkern, Frauen und Männern Mitteleuropas sowie den großen Religionsstiftern. ‚Grundstrukturen der Religionen‘ führt die Lehren zurück auf das Spannungsfeld (Untertiltel) ‚Zwischen Mystik und Schamanentum‘. Schließlich nimmt sich ‚Die Reise in die Seele‘ der eigenen Schriften des Autors im Stufenmodell der Meisterschaften nach Laotse an. Es erschien im März 2016 als letztes Werk der „Wahren Tetralogie“ bei Amazon für ebenfalls 12,80 EUR. Statt des 4. Bandes ans Herz legen kann ich Ihnen mit älteren erprobten Texten ebenso „Die 5 Wege zur Weisheit“, gleichfalls erschienen bei Amazon als Band 2 der vierbändigen Reihe für die Künstlergruppe Falter.

Bleibt mir zu guter Letzt, nun ebenfalls auf gruppendynamische Prozesse zu hoffen. Dazu bedarf es Menschen, die für sich Verantwortung übernehmen können, Menschen, die im Anschluss an den eigenen Prozess des Erkennens ihre Einsichten als Credo nach vorne tragen möchten. Anders aber sehe ich für keine Hoffnung mehr, dass wir die Probleme auf dem Planeten ‚Erde’ noch in den Griff bekommen könnten.

Mit freundlichen Grüßen

(Der Text wurde abgeleitet aus einem Brief an die Presse)

Taoteking – welcher Übersetzer?

schrieb am 09.08.2015 - Literatur, Philosophisches - Noch keine Kommentare

Taoteking – welcher Übersetzer soll es sein? Dies ist tatsächlich eine Kardinalfrage soll aus Sicht des Mystikers: Zu welcher Übersetzung des Taoteking (Tao-Te-King) aus der Feder des Laotse greife man? Zur Beantwortung betrachten wir uns zunächst einmal die Personen der Übersetzer selbst, wobei übrigens alle Angaben zu ihnen der Internet-Enzyklopädie Wikipedia entnommen sind.

Richard Wilhelm wurde am 10. Mai 1873 in Stuttgart geboren, war ein protestantischer Theologe, Missionar und Chinawissenschaftler (Sinologe). Seine Übersetzung fand bislang die weiteste Verbreitung und größte Anerkennung. Dabei scheint es nicht zu stören, dass er seine protestantisch, missionarische Grundhaltung in die interpretierende Übersetzung seines Tao-Te-King einfließen ließ. Dass er dabei zum Teil wirklich ansprechende und des Nachdenkens werte Texte schuf, sei nicht verschwiegen.

Günter Debon wurde am 13. Mai 1921 in München geboren und war ebenfalls ein deutscher Sinologe. Seine Übersetzung ist mir als Mystiker zu wuselig und erscheint mir oft noch unverständlicher als die des Richard Wilhelm. So findet sich etwa bei Debon der dem Schamanentum zuzurechnende, bei Rousselle auch klar als schamanisch gekennzeichnete 6. Spruch, als ein solcher zur mystischen Weltsicht. Debon offenbart an dieser Stelle bereits, dass er keine klaren Grenzen zwischen den beiden alten Wegen ziehen kann. Das ist für mich hinsichtlich seiner Übersetzung bereits das KO-Kriterium ersten Ranges.

Taoteking - welcher Übersetzer? Das Bild zeigt übrigens Laotse auf dem Weg in die Emmigration

Das Taoteking entstand bei Laotses Auswanderung, so die Geschichte

Als Mystiker sehr gut arbeiten, kann und konnte ich dagegen mit der Übersetzung von Erwin Rousselle. Rousselle wurde am 08. April 1890 in Hanau geboren, war deutscher Sinologe und Freimaurer. Er promovierte 1916 in Philosophie und 1921 in Rechtswissenschaften. Wikipedia würdigt Erwin Rousselle mit den Worten: „Erwin Rousselle war neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten ein praktizierender Mystiker, der nicht nur in der buddhistischen und daoistischen Welt verkehrte, sondern auch unter anderem als Diakon für ein positives Christentum von ökumenischer Breite und universalistischer Weite wirkte. Sein Leben war durch lebendige Gotteserfahrung geprägt, die ihn für ein gegenseitiges Verständnis aller Religionen auf Erden eintreten ließ.“ Allein aus diesen Gründen bereits, nämlich dass Rousselle selbst ein Mystiker war (der als Mystiker die Spruchdichtung des Mystikers Laotse übersetzte) und er dazu weltoffen und eben kein protestantischer Missionar war, lassen mich Ihnen zum ‚Taoteking – welcher Übersetzer?‘ Erwin Rousselle und seine Übersetzung des Tao-Te-King empfehlen.

Bevor ich gleich noch einige Beispiele anfüge, zu meiner Person: Ich gab für Erkenntnisse beide Seelenteile aus. Der männliche Teil wurde mir, nachdem ich diesen getötet hatte, von Gott-Frau aus der Brust gezogen. Der weibliche Seelenteil wurde später in meinem Körper verbrannt. Erst nach Monaten der Seelenlosigkeit wurde meine Seele in meinen Körper zurückgeboren. Hafis nannte das Seelenopfer Rettungsmittel und dichtete: „Bin ich lebend ohne Leben, mag es wunder dich nicht nehmen. Denn wer würd’ der Trennung Stunden rechnen zum Betrag des Lebens.“ Und Goethe im Faust zum Weg: „Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein, versuch einmal dich innigst aufzulösen, dem frommen Manne nötig wie dem bösen.“ (Auflösen der Bande beider Seelenteile, um erst den einen zu töten, bevor es den anderen erwischt. Doch weiter:) „Dem ein Plastron, asketisch zu rapieren,“ (Ausbeinen der getöteten männlichen Seele aus der Brust) Kumpan dem anderen, Tolles zu vollführen (Ausbrennen des weiblichen Seelenteils), und beides nur, um Zeus zu amüsieren.“ Was ich damit begreiflich machen möchte, ist, dass ich Literatur auf Augenhöhe mit den großen Literaten und Mystikern bespreche. Deshalb versichere ich Ihnen zugleich aus dieser Warte, dass Sie mit der Übersetzung des Erwin Rousselle den besseren Griff machen.

Anhang: Stellvertretend seien zwei kurze Beispiele genannt, in denen die Übersetzung Rousselles nachvollziehbar überlegen erscheint. Im 41. Spruch unterscheidet Rousselle die drei Meisterschaftsstufen des Mystikers nach deren Gottesbild. Der niedere Meister (Mose, Mohammed) ist mit einem männlichen Gottesbild unterwegs, der mittlere Meister ist hierzu indifferent, weil er Gott als etwas unpersönlich Absolutes wahrnahm (Buddha, Mahavira, Meister des Hinduismus). Der hohe Meister (der Gott als Frau im Prozess erfahren hat) nimmt Gott als Mutter der Seele an und lässt sich von ihr führen. Bei Richard Wilhelm ist es nicht Gott, sondern ein irgendwie gearteter Sinn, von dem ein Weiser hören soll, was jedoch keinen Sinn ergibt. Denn Gott kann nicht mit dem Sinn gleichgesetzt werden. Und bei Günter Debon soll es ein Weg sein, der zu Meisterschaften befähigt. In der Tat sind es zwar verschiedene Wege zu verschiedenen Meisterschaftsstufen, die sich aus verschiedenen Schlüsselerlebnissen und deren Auflösung ergeben. Am Ende steht jedoch ein jeweils anderes Gottesbild, sodass sich mit der Einsicht in der Übersetzung von Erwin Rousselle auf den Weg und das Schlüsselerlebnis zurückschließen lässt. Also: Taoteking – welcher Übersetzer? Erwin Rousselle natürlich!

Im folgenden 42. Spruch lässt Richard Wilhelm den Sinn das Gottesbild schaffen. Günter Debon muss zwangsläufig den Weg zum Schöpfer des Gottesbildes werden lassen. Dagegen findet sich bei Erwin Rousselle Gott als Frau als ewige Kraft wieder. Aus ihr geht die Einheit einer Trinität hervor, nämlich Frau – Mann – Liebe. Letztere erschafft die zehntausend Wesen (die Menschheit), sodass göttliche Liebe den Menschen gegenüber offenbar wird. Diese Dreieinigkeit relativiert – und deshalb folgt der 42. Spruch unmittelbar dem 41. Spruch – die zu beginn postulierte Weiblichkeit als Schöpferin. Das ist – bitteschön – ewig reproduzierbare und damit nachvollziehbare Mystik. Noch einmal: Taoteking – welcher Übersetzer? Erwin Rousselle natürlich und damit zu einem letzten Beispiel:

Weil sich an die Beschreibung des Gottesbildes im 42. Spruch der Hinweis nachgetragen findet, dass die zehntausend Wesen rückwärts das Dunkle tragen, wissen wir mit Erwin Rousselle zugleich, wie für Erkenntnisse aufzulösen ist, nämlich rückwärts. Hierzu verweise ich auf das Märchen „Die Sterntaler“, wo das (Gottes-) Kind rückwärts die angelegte Kleidung ablegt, um letzten Endes das himmlische Gewand zu empfangen (s. a. die Buchbesprechung zu „Mystisches Deutschland„). Deshalb heißt es bei Erwin Rousselle: „Es erlangen die gewalttätigen Balkenstarken nicht ihren eigenen Tod.“ Das bedeutet, ich verweise noch einmal auf den oben beschriebenen Weg der Tötung der Seelenteile, dass Leute die andere umbringen und nicht die eigene Seele für Erkenntnisse ausgeben, nicht das Himmelreich erlangen werden. Hafis: Seelenopfer = Rettungsmittel, Goethe: Dem frommen Manne nötig wie dem Bösen. Ein letztes Mal daher: Taoteking – welcher Übersetzer? Erwin Rousselle selbstredend.

Richard Wilhelm übersetzte stattdessen: „Die Starken sterben nicht eines natürlichen Todes.“ Und Günter Debon meinte wuselig: „Der Balkenstarke stirbt keinen guten Tod.“ Was für ein Scheiß!

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