Anagogischer Sinn

schrieb am 22.11.2016 - Grundlagen zur Mystik, Pamphlet - Noch keine Kommentare

Mit dem Begriff  „Anagogischer Sinn“ bezeichnete Dante einen Übersinn, der seiner „Komödie“ innewohne. Dieser gehe über einen allegorischen Sinn, wie wir ihn etwa aus Fabeln kennen würden, sowie einen moralischen Sinn (etwa bekannt aus religiösen Interpretationen) hinaus. Stattdessen verstand Dante darunter eine Befreiung der Seele von den Sünden. Unter dem Aspekt einer Verantwortlichkeit des Menschen vor einer göttlichen Trinität dürfen wir daher seine metaphysische Entwicklung als den Hintergrund seiner diesbezüglichen Überlegungen betrachten.

Dante und sein "Anagogischer Sinn"

Sein „Anagogischer Sinn“, der „Übersinn“ beschäftigt die Literaturwissenschaftler

In den heutigen Zeiten einer etablierten Disziplin namens „Psychologie“ wird natürlich ein „Anagogischer Sinn“ als nicht mehr zeitgemäß erachtet, vielfach wird er sogar völlig negiert. Dabei dürfte ein solcher „Anagogischer Sinn“ weiteren großen Werken der Weltliteratur zugrunde liegen, so etwa Goethes Faust oder Nietzsches Zarathustra. Goethe selbst erwähnte 1827 in einem Brief an K. J. L. Iken, dass er mit dem Faust II das Mittel des Dramas gewählt habe, „da sich manches unserer Erfahrungen nicht rund aussprechen und direkt mitteilen läßt“. Er wollte so „dem Aufmerksamen einen geheimeren Sinn offenbaren“. Und Nietzsche, der sich selbst im Zarathustra „Rätselrater und Erlöser des Zufalls“ (Kap. Von alten und neuen Tafeln, Kap. Von der Erlösung) nannte, lässt sich sogar sehr deutlich aus, dass sich (nur) „an der eigenen Qual (dem Leiden) das eigene Wissen mehrt“ (Kap. Von den berühmten Weisen). Und im gleichem Kapitel schreibt er Mittleren Meistern (wie etwa Buddha oder dem Mahavira) ins Buch: „Und niemals noch durftet ihr euren Geist in eine Grube von Schnee werfen, ihr seid nicht heiß genug dazu.“

Allerdings sind dies Äußerungen, die sich tatsächlich nicht jedem oder jedem sofort offenbaren, weil es an entsprechender Leidens-Erfahrung fehlt. Ich selbst gehöre dagegen zu denjenigen, die auf den alten Wegen zu Wissen und Weisheit gelangten. Nur jemanden, der seine männliche Seele in sich tötete, die daraufhin von Gott-Frau aus der Brust gezogen wurde, kann etwa mit Goethes „Dem ein Plastron (Brustpanzer), asketisch zu raprieren“ (die Seele ausgebeint zu erhalten) etwas anfangen. Auch die zuvor angesprochene Hitze bei der Totalausbrennung der verbliebenen weibliche Seele, wie es Nietzsche beschrieb, ist für mich nachvollziehbar. Formulierungen, wie die genannten, sind mir daher nichts Unverständliches mehr, sondern sie sind stattdessen Teil einer meinen Mitmenschen nicht mehr geläufigen Wahrheit. Bereits häufig habe ich mich deshalb vor Nietzsche gestellt, dem man ob seines „Gott ist tot“ zu Unrecht Atheismus und Nihilismus andichtete. Vielmehr sprach er damit über eben einen toten Seelenkörper (Kap. Der bleiche Verbrecher), der ihn zu seinen Überlegungen bewog.

Nun soll an dieser Stelle natürlich nicht den Germanisten und Literaturwissenschaftlern die Arbeit vorgetan werden. Deshalb mag man sich dort zunächst auf den eigenen Hosenboden setzen und bei sich selbst aufräumen, bevor es ans Schwadronieren über Sinnzusammenhänge geht. Und wenn sich Nietzsche im Übrigen auslässt: „Alles am Weibe ist ein Rätsel und alles am Weibe hat eine Lösung. Sie heißt Schwangerschaft“ (Kap. Von alten und jungen Weiblein), wenn er postuliert „Selig ist der also Schwangere“ (Kap. Die sieben Siegel) legt er dar, was den klugen Wissenschaftler auf den Leidens- und Erkenntnisweg brächte, nämlich die Auflösung der Abtreibung. Ja, meine Damen und Herren: Bevor es hier darum geht, auch dem Schreiber dieser Zeilen mit Hohn und Spott entgegenzutreten, mag man erst einmal seine Seele entwickeln. Dann ist auch Dantes „Anagogischer Sinn“ kein Buch mit sieben Siegeln mehr und Nietzsche Zarathustra läse sich wie ein guter Roman, leicht verständlich.

Selbstredend ist mir klar, dass ich mir das Maul fuselig quatschen kann. Es ist mutmaßlich ebenso wurst, dass ich Religionen auflösen kann und darf. Ihr wollt weiter in Gottes Namen morden und den Planten zerstören. Bitte, wenn Ihr meint. Allerdings kommt von Euch dann keiner dahin, wo er hin will und wo er etwa Dante, Goethe, Nietzsche und bald auch mich besuchen möchte, nämlich: In den Himmel.

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