Archiv: Oktober 2017

Sie fanden nicht zueinander

24.10.2017 Allgemein, Buchvorstellung, Grundlagen zur Mystik, Werbung Keine Kommentare

Sie fanden nicht zueinander könnte über Goethes Faust, Nietzsches Zarathustra oder auch über meinem Werk und unseren Lesern stehen. Denn offenbar werden mystische Texte in ihrer Tiefe nicht verstanden. Wir wollen heute deshalb einen Leseversuch unternehmen mittels Nietzsches Kommentar zu Goethes Faust. Der Leser mag diesen bitte aufmerksam aufnehmen und dem Text mit Empathie begegnen. Damit zu Nietzsches Text:

„Die Faust-Idee. – eine kleine Näherin wird verführt und unglücklich gemacht; ein großer Gelehrter aller vier Fakultäten ist der Übeltäter. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein? Nein, gewiss nicht! Ohne die Beihilfe des leibhaftigen Teufels hätte es der große Gelehrte nicht zustande gebracht. – Sollte dies wirklich der größte deutsche >tragische Gedanke< sein, wie man unter Deutschen sagen hört? – Für Goethe war aber auch dieser Gedanke noch zu fürchterlich; sein mildes Herz konnte nicht umhin, die kleine Näherin, >die gute Seele, die nur einmal sich vergessen<, nach ihrem unfreiwilligen Tode in die Nähe der Heiligen zu versetzen; ja selbst den großen Gelehrten brachte er, durch einen Possen, der dem Teufel im entscheidenden Augenblick gespielt wird, noch zur rechten Zeit in den Himmel, ihn, >den guten Menschen< mit dem >dunklen Drange<: – dort im Himmel finden sich die Liebenden wieder. – Goethe sagt einmal, für das eigentlich Tragische sei die Natur zu konziliant gewesen.“

Wenn Sie den Text einmal aufnehmen, ohne an die üblichen (Vor-) Urteile über Nietzsche zu denken: Dann stimmen Sie mir womöglich zu, dass Nietzsche hier mit Einfühlungsvermögen sowie mit Verständnis und Nachsicht für das Handeln der Beteiligten formuliert. Schauen wir uns Nietzsches Statement daher etwas genauer an: Faust verführt mittels Einflusses des Teufels das Gretchen, die aus lauter Verzweiflung ihre Leibesfrucht abtreibt.  Faust sieht in der klassischer Walpurgisnacht die Reuende, ohne sie erreichen zu können. Sie ist zu den „Heiligen“ aufgestiegen. Die junge Frau wird nämlich ob ihrer Hinwendung in den Himmel aufgenommen (siehe dazu auch meine Ausarbeitung zu Faust, Teil 1). Der anschließend dem Humunkulus in der Phiole folgende Faust wird im zweiten Teil des Dramas selbst errettet (siehe auch hierzu meine Arbeit zu Faust, Teil 2). Dort seien die zwei (auf der Erde ungleichen) Liebenden wieder vereint, wobei die Qualität dieser Vereinigung offen bleibt. Denke ich an das Liebespaar, würde ich meinen, sie fanden nicht zueinander.

Zu schnell? Dann noch einmal: Eine Näherin treibt ab und stirbt „den kleinen Tod des Seelchens“ in der Walpurgisnacht, nimmt also den klassischen, alten Auflösungsweg. Faust folgt ihr auf ebenfalls klassischem Wege, der jedoch ein anderer als der des Gretchens ist. Er hat ja auch nicht abgetrieben, sondern gab nur die Veranlassung, weil er nämlich Gretchen mit ihrer Leibesfrucht sitzen ließ. Weil die Natur in dieser Sache zu konziliant sei, lässt Nietzsche Goethe anschließend konstatieren, bleibt die Tragik aus und verkehrt sich in ihr Gegenteil: Beide kommen in den Himmel. – Verlacht oder verhöhnt Nietzsche nun diese Vorstellung? Nein, er zeigt stattdessen Verständnis, weil er – wie man es im „Zarathustra“ nachlesen kann – selbst diesen Weg beschritt: „Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft“, oder an anderer Stelle: “ Selig ist der also Schwangere“, der damit selbst die Abtreibung auflösen und sich für diesen Weg einen „Homunkulus in der Phiole“ denken muss.

Nietzsche und Goethe verband das Wissen, dass die Abtreibung vor Gott-Frau straffrei ist und sich Frau und Mann für ihren Leiden, nämlich den kleinen Tod bevor sie sterben, göttliche Aufnahme verdienen können. Nietzsche sprach beim kleinen Tod, der von Gott geborenen Seele, von „Gott ist tot.“ Nietzsche war daher wie Goethe und etliche andere Literaten ein Mystiker. „Einen Rätselrater und Erlöser des Zufalls“ bezeichnete er sich selbst und meinte doch nur einen Rätselmeister, einen ihrer „Gotteskrieger„. Rätselmeister waren und sind Menschen, die nicht für eine Kirche oder sonst einen Menschen, sondern direkt und unmittelbar für Gott arbeiten. Manche kann man an ihrer Beschreibung des Auflösungsweges entdecken, manche andere machten mit ihrer Weisheit aus dem Auflösungsweg um die Abtreibung Politik. Sie fanden nicht zueinander, muss also keine unabänderliche Wendung des Schicksals bleiben, man kann auch Rätselmeistern (statt tumben Religionsstiftern) nachfolgen. Dann wird man im schlimmsten Falle nur wie ein Religionsstifter und kommt dennoch in den Himmel. Und wenn es gut läuft? Dann finden wir zueinander und verändern gemeinsam die Welt.

Sie fanden nicht zueinander - oder doch noch?

17+4 – Kruger & die Politik

Ein Hinweis noch in eigener Sache: Im Anschluss an meinem neuen Stadtkrimi  finden Sie im Kapitel 17 von „17+4 – Kruger und die Politik“, nach Enttarnung des Kirchenlehrers Augustinus, noch einen Abriss, wie Gott mit Rätselmeistern Einfluss nahm auf die Entwicklung der Menschheit. Dann wird schließlich auch die Kirche zu ihr und Augustinus noch zugestehen müssen: Sie fanden nicht zueinander.

Und zu guter Letzt noch zu meinem Buchangebot bei Amazon.

Freie Mystik und Atheismus

16.10.2017 Lebenshilfe, Pamphlet, Philosophisches, Politik Keine Kommentare

Nicht wenige halten Freie Mystik und Atheismus für (fast) dasselbe, weil sich beide gegen die Religionen richten. Doch haben Freie Mystik und Atheismus an dieser Stelle nur das Angriffsziel gemeinsam, nicht aber die Beweggründe für dieses Vorgehen. Besehen wir uns daher beide Strömungen näher.

Viele halten Mystik für einen Teil von Glaubenslehren. Das ist tatsächlich der Fall, wenn Religionen aus mystischen Überlegungen heraus entwickelt wurden. Manche folgern allerdings daraus, ohne Religionen könne Mystik nicht existieren. Das jedoch ist unrichtig, denn Mystik entsteht immer aus der persönlichen Hinwendung eines Menschen heraus zu Gott. Doch obwohl Mystik üblicherweise aus solcher Hinwendung heraus entwickelt wird, sinnvollerweise im Übrigen im Anschluss an einen Bewusstwerdungs- und einen Auflösungsprozess um persönliche Abhängigkeiten, kann Mystik zwischen Gott und den Menschen stehen. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Religionsstifter behauptete, er besäße alleinige Weisheit. Nur ihm nachzufolgen, verspräche, in den Himmel aufgenommen zu werden. Das jedoch bedeutet ein Abschneiden von eigener Erkenntnis und ist nicht das Ziel der Freien Mystik, weshalb sich diese gegen Religionen wenden muss. Selbstkritische Religionsstifter boten übrigens stattdessen parallel zur Nachfolge (etwa Buddha, Zarathustra) Schriften zur eigenen Vervollkommnung an, zeigten somit einen Weg zur Weisheit neben dem Gebet auf. Man mag sich daher bitte merken, dass die Freie Mystik die Hinwendung eines Menschen zu Gott bedeutet und zwar sinnvollerweise ohne Einflüsse von außen.

Atheismus (ohne Gott), so die Literatur zum Thema, bedeute die Ablehnung der Existenz Gottes sowie einer göttlichen Ordnung. Damit werde allerdings noch nicht per se der Unglaube postuliert. In diesem Zusammenhang etwa werden Anschauungen angeführt, die das unpersönlich Absolute im Buddhismus oder das Atman-Brahman in den älteren Upanishaden (Hinduismus) als Atheismus begreifen. Der Glaube könne sich zudem auf eine fiktive Gottheit beziehen. So proklamierte man während der Französischen Revolution den Glauben an eine Göttin der Vernunft, mit dem gleichfalls Sittlichkeit zu erreichen wäre. Nietzsche habe dann die Bejahung des vom Gottesglauben emanzipierten Daseins begründet. Und daneben schließlich existiere zu guter Letzt der kämpferische Atheismus, der jede Religion als für den Menschen schädliche Verirrung auffasse.

Freie Mystik und Atheismus

Als Beispiel für einen Atheisten ungeeignet

Sorry, aber mir geht beim Atheismus-Begriff zu viel durcheinander, weil schon die Beispiele nicht viel taugen. Der ältere Buddhismmus und die Upanishaden etwa haben zwar das unpersönlich Absolute gemein, doch nur, weil der von der Opferrolle in die Tätersicht wechselnde Adept Gott nicht schauen darf. Da macht auch das Vergewaltigungsopfer keine Ausnahme. Es darf stattdessen entscheiden, wiedergeboren zu werden oder zu verlöschen. Das, was das Opfer tatsächlich sieht, ist sich selbst als einen Teil eines mystischen Menschen. Das bedeutet jedoch nicht die Abwesenheit von Gott oder einer göttlichen Ordnung, sondern – im Gegenteil – bestätigt diese. Die Verwirrung wird komplett, wenn man Nietzsche als Atheisten missversteht. Im Zarathustra bekennt sich Nietzsche nämlich dazu, als Mann die Abtreibung aufgelöst zu haben (siehe auch die Beiträge zu Goethe, besonders zu Faust, Teil 2). Man sollte lesen können! Am Ende lässt er sich sogar dahingehend aus, wenn dann, nur mit Gott-Frau Kinder haben zu wollen. Was bitte hat das mit Atheismus zu tun? Selbst wenn sich Nietzsche ob seines Wegs in der Freien Mystik gegen Religionen wendet, ist er deshalb ein Atheist?

Nein Freunde. Freie Mystik und Atheismus haben nur das gleiche Angriffsziel, nämlich die Glaubenslehren. Weil diese Menschen von Erkenntnissen abschneiden, ja sogar von Gott selbst abschneiden. Religionen verhindern, dass Menschen in den Himmel kommen können, sie ebnen nicht den Weg. Nur weil ein Stifter um seine göttliche Aufnahme erfuhr, weiß er noch lange nicht, wie man das aus anderen Schlüsselerlebnissen heraus bewerkstelligt. Religionsstifter waren – nachweisbar – nur auf zumeist ein Erlebnis „geeicht“ und hätten besser die Fresse gehalten, als sich mit dicker Hose vors Publikum zu stellen, lassen wir die Schamanen unter ihnen einmal ganz außen vor. Das führt am Ende dann Freie Mystik und Atheismus zueinander: Die Erkenntnis, dass Religionen die Menschen in schädlicher Weise in die Verirrung leiten. Deswegen allerdings sind Freie Mystik und Atheismus (siehe auch die Beiträge zu Philosophie und Politik) noch immer nicht dasselbe. Meine Bücher bei Amazon.

Mysterien des Weltalls

11.10.2017 Allgemein, Grundlagen zur Mystik, Philosophisches Keine Kommentare

Trotz des (zugegeben populär-) wissenschaftlichen Anspruchs bin ich ein großer Fan von Morgan Freemans Mysterien des Weltalls. Schließlich lässt sich mithilfe der Theorien der Astrophysiker prüfen, ob (unter anderem) meine Überlegungen zu Gott und der Welt haltbar sind oder nicht. Das mag nicht sofort einleuchten. Wie können astrophysikalische Überlegungen, dargelegt in der Fernsehreihe Mysterien des Weltalls,  mit mystischen Überlegungen in Einklang gebracht werden? Hilft es denn, zu wissen, ob es sich bei Newtons Gravitationsgesetz um ein eigenständiges Gesetz handelt oder die von Newton beschriebene Anziehung nur ein Teil der starken Wechselwirkung (starken Kernkraft) ist? Vordergründig eher weniger, doch werden zugleich immer wieder Gedanken der Physiker aus ihren Forschungen heraus zu Gott und Welt vorgestellt. Und das finde ich spannend.

Mysterien des Weltalls

Grundstrukturen der Religionen – Zwischen Mystik und Schamanentum

Um einmal kurz den strukturellen Ansatz aufzuzeigen: Religionen (als besonderes Forschungsobjekt hinsichtlich Gott und menschlicher Existenz) werden hier als ein Zusammenwirken von Mystik, Schamanentum, Okkultismus/Spiritismus, Philosophie und priesterlichen Riten verstanden. Mystik beschreibt dabei einen inneren Weg, Einsichten zu erlangen. Schamanismus, Okkultismus/Spiritismus und Philosophie sind dagegen äußere Wege zur Erkenntnis, wobei die Riten bereits aus logischen Gründen (Hokuspokus) unberücksichtigt bleiben können. Bei den verbliebenen drei äußeren Ansätzen taugt Schamanismus (der alte Ansatz zur Welterklärung wie etwa zu Beginn der Genesis), weil sich der Adept einsetzen, er nämlich mit der Seele reisen, muss. Okkultismus und Spiritismus kennen stattdessen nur die Geisterbefragung und sind damit für Unwahres anfälliger. In die Rubrik Philosophie schließlich (von Platon eingeführt) fallen neben Politik auch die Naturwissenschaften.

Wir kennen damit also einen inneren und zwei äußere Wege, Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei haben die Naturwissenschaften aufgrund ihrer Genauigkeit inzwischen das Schamanentum zur Beschreibung der Welt ablösen können. Nach wie vor ohne ein Pendant ist die Mystik. Deren Einsichten müssten deshalb umgekehrt für die Naturwissenschaften von Interesse sein, wenn man Gott und die Welt begreifen möchte. Einer „Astrophysik trifft Mystik“-Runde würde ich mich jedenfalls nicht verschließen wollen.

Ich gebe dazu noch ein Beispiel: Wir hatten einen Physik-Lehrer, der mit drei Linealen (wie im 3-D-Koordinatensystem gehalten) vor dem Bauch durch die Klasse talpte und postulierte: Weil er in seinem Koordinatensystem unbewegt sei, würden wir (die wir saßen) uns bewegen. Daraus folgerte er messerscharf, dass das Universum unendlich sei. Das ist natürlich Kappes. Für mich stellte sich das All damals (was dann zu einer unauflösbaren Diskussion führte) als der Inhalt eines Schuhkartons unter dem Bett eines kleinen Mädchens dar. So simpel würde ich das heute natürlich nicht mehr sehen wollen. Dennoch finde ich (vielleicht noch immer deswegen) den Ansatz manches Forschers spannend, das All in seiner Tiefe als eine eigentlich zweidimensionale Projektion zu betrachten, in das man von außen hineinsehen kann. Das würde natürlich eine „Welt am Draht“ bedeuten, um einmal an Fassbinders Fernsehfilm von 1973 zu erinnern. Andererseits ließe sich diese Projektion zugleich mit mystischen Einsichten um Gott und Seele vereinbaren, wobei „die Welt des kleinen Mädchens“ (als eine weitere Welt am Draht) ebenso zu betrachten wäre.

Lassen wir einen Teil der Spekulationen außen vor. Konzentrieren wir uns allein auf die durch alle Kulturen nachweisbaren Einsichten von Mystikern, bliebe genügend, es in einer astrophysikalischen Diskussion aufzuarbeiten. Ohne Mystik jedenfalls, das ist meine Überzeugung, lassen sie die Mysterien des Weltalls nicht erklären. Dazu am Rande notiert, wären dann auch mein Weg sowie meine Forschungen in Religionen, Literatur und Märchen zu Gott und der Welt sinnlos gewesen. Weitere Gedanken zum Thema finden Sie unter den Standpunkten zum Thema Wissenschaften.