Archiv: Juli 2017

Mystik ist kein Hexenwerk

09.07.2017 Allgemein, Grundlagen zur Mystik Keine Kommentare

Trotz manch gegenteiliger Auffassungen: Mystik ist kein Hexenwerk. Das gilt, selbst wenn Goethe im Faust zum Blocksberg zieht und Gott in vielen Traumoffenbarungen als Frau erscheint. Denn solche Gottes-Erlebnisse sind jeweils Teil bestimmter Prozesse, um die persönliche Lebensgeschichte aufzuarbeiten.

Gleich von mir dazu gefragt: Halten Sie es denn für schlecht, in einer Traumoffenbarung Gott als Frau zu sehen und daraus zu schließen, dass Gott eine Frau sei? – Vielleicht antworten Sie mir: Nein, aber Gott als Frau zu sehen kann doch nur Teil mancher Prozesse sein, nicht aller. Denn nicht alle Mystiker sprechen von Gott als einer Frau. Und dann nennen Sie mir Moses oder Mohammed als glorreiche Beispiele, dass Gott bei den großen Propheten doch eben ein Greis sei mit weißem Bart. Ein Mann, ausgestattet übrigens mit einem so üblen Mundgeruch, dass sogar Ton lebendig wird und wegläuft.

Dazu sage ich Ihnen: Mystik ist kein Hexenwerk und ein großer Prophet ist noch lange kein großer Mystiker. Ein Prophet war nur ein Licht an einem dunklen Ort und deshalb ist er meist zum Mittler zwischen Gott und den Menschen avanciert. Mystik entsteht nämlich, liebe Leser, in der Hinwendung eines jeden Menschen persönlich – und ohne Vermittlung – zu Gott.

Am Rande notiert: Wenn nun, wie in den Fällen von Moses oder Mohammed, ein Prophet zum Mittler zwischen Gott und den Menschen wurde, spricht das im Grunde für – Schamanismus. Denn Schamanen reisen mit ihrer Seele, um Welt- und Heilwissen zu erlangen. Bedeutet, dass Moses oder Mohammed neben mystischem Wissen um ihre Person auch schamanisch tätig wurden oder Schamanismus zuließen. (Bei Mohammed weiß man es, da er in einer Höhle mit einem Geistwesen kommunizierte. Bei Moses kann und darf man es bei den Gesetzestafeln vermuten, wenn es denn nicht eine Traumoffenbarung war, die ein geschickter Steinmetz in Tafeln umwandelte.) Im Übrigen und damit noch zur Randnotiz am Rande notiert: Wenn Schamanen „große“ genannt werden, dann reisen sie mit ihrer Seele zur Herrin der Tiere. Man beachte daher: Schon wieder Gott als Frau.

Mystik ist kein Hexenwerk

Laotse wie er auf dem Ochsen nach Westen in die Immigration reitet.

Man könnte sich nun Gedanken machen, warum Gott von den Propheten und nachfolgend in den Religionen regelmäßig als Mann dargestellt oder angesprochen wurde. Laotse, ein alter mystischer Großmeister aus China, ordnete dazu männliche Gottesbilder den niederen Meistern zu, ein diffuses Gottesbild den mittleren Meistern und nur den hohen Meistern ein Gottesbild von einer Führerin des Alls. Da niedere Meister nur ein Gottesurteil erfahren, können sie auch mit ihren überkommenen Anschauungen aus den Naturreligionen in ihren Erkenntnisprozess starten. Für sie bleibt am Ende mit nur dem Urteil über ihr Leben oder ihre Verfehlungen eh alles beim Alten. Die mittleren Meister dagegen lavieren herum, so wie man eben sexuelle Erlebnisse auflöst. Man wechselt dazu aus der Opfersicht in die Tätersicht oder umgekehrt. Alles korrekt, denn – richtig – Mystik ist kein Hexenwerk.

Fakt jedenfalls ist, dass nur große Mystiker Gott als Frau wahrnehmen. Und das wiederum, war schon angesprochen, ist die Parallele zum Schamanentum, wo auch nur große Schamanen es schaffen, mit ihrer Seele bis zur Herrin der Tiere zu reisen.

Bedeutet für Moses und Mohammed: Beide können keine großen Mystiker oder Schamanen gewesen sein, denn Mystik ist kein Hexenwerk. Des Weiteren darf festgestellt werden, waren beide ob ihres Gottesbildes nur niedere Meister. Von Moses ist niedere Meisterschaft bekannt, denn er tötete den ägyptischen Aufseher, der seinen Bruder übelst zurichtete. Dass er dennoch kein Mörder war, dafür setzte sich Mohammed ein, der dazu von irgendwoher beizusteuern wusste, dass Gott gern verzeiht. Nur wem und warum Gott verzeiht, ließ er offen. Wenn man sich dazu Täterprozesse und Ergebnisse bei Mördern betrachtet, bleibt nur die Tötung in Notwehr als Schlüsselerlebnis für den mystischen Prozess beider Herren übrig.

Daher dürfen wir uns freuen, dass laut Mohammed mit ihm, dem Siegel aller Propheten, denn auch Schluss sei mit den Schamanen-Vermittlern mit ihrem ungesunden Halbwissen. Eine richtig gute Nachricht für alle Mystiker und dafür danken wir ihm letztens Endes alle.

Ein Hinweis auf die literarische Auseinandersetzung mit Religionen, Märchen und Literaur bietet die Installation des Autors bei der Künstlergruppe Falter: Die Metaphysik-Literatur-Installation. Zudem erscheint in Kürze mit „17+4 – Kruger und die Politik“ ein Stadtkrimi zum Thema bis hinein in die göttliche Politik.