Archiv: August 2016

Homosexualität und Mystik

27.08.2016 Grundlagen zur Mystik, Lebensgeschichte, Lebenshilfe, Philosophisches 1 Kommentar

Was könnten Homosexualität und Mystik miteinander gemein haben? Dazu die spannende Frage: Lässt sich Homosexualität vielleicht mit mystischen Einsichten erklären? Zwei Ebenen werden uns bei dem Versuch einer Antwort näher beschäftigen. Das wird zum einen die Schlüsselerlebnisebene sein und zum anderen die Auflösungsschiene. Dazu vorweg bemerkt, beschäftigt sich Mystik unter anderen  mit Schlüsselerlebnissen, also den wichtigen Erlebnissen im Leben eines Menschen. Solche Begebenheiten werden aufgespürt, danach aufgearbeitet und  schließlich in Weisheit verwandelt.

Beginnen wir mit den (oft unerkannten und verdrängten) Wendepunkten im Leben. Bei meiner Suche in mir nach Schlüsselpunkten in meiner Kindheit erinnerte ich mich an ein „homoerotisches Erlebnis“. Damals „schwänzelte“ ich kurz mit einem anderen kleinen Jungen. Uns beiden langte diese kurze erotische Erfahrung, die uns Spaß bereitete. Doch weder er noch ich ließen uns später davon leiten. Es drängte sich mir auch nie der Wunsch nach Wiederholung auf, sodass das Schwänzeln eine Episode ohne Wirkung blieb. Daraus schließe ich, dass Homosexualität nicht von einem einzelnen „Knotenpunkt im Leben“, wie man Schlüsselerlebnisse auch nennt, abhängig ist. Vielmehr könnte es in dem berichteten Fall sogar lediglich eine „Art Abfrage“ gewesen sein, ob eine entsprechende sexuelle Neigung vorhanden ist.  

Darüber hinaus sind mir aus der Auflösung von Schlüsselerlebnissen im Zusammenhang mit dem Tod, insbesondere der Abtreibung und dem Martyrium, Zeiten teilweiser oder völliger Seelenlosigkeit bekannt. (Hafis: „Bin ich lebend ohne Leben, mag es Wunder dich nicht nehmen, denn wer würd‘ der Trennung Stunden rechne zum Betrag des Lebens.“) Bekannte literarische Beispiele aus Deutschland sind zwei Märchen der Brüder Grimm: Hinsichtlich von Tod und Wiedererweckung des männlichen Seelenteils ist es das Märchen „Der treue Johannes“ und hinsichtlich Tod und Wiedergeburt beider Seelenteile die Erzählung „Der Trommler„.  Übrigens handelt es sich beim Martyrium mit Wiedergeburt beider Seelenteile nach einer Zeit ohne Seele (wie es Hafis oben beschreibt) um die Zusammenführung mehrerer Erlebnisse, damit die Abtreibung aufzulösen, doch ohne selbst abgetrieben zu haben. Goethe wäre dazu zu erwähnen, der im „Wilhelm Meister“ die Erlebnisse schildert, die er schließlich im Faust auflöst. Doch zurück zum Thema Homosexualität und Mystik.

Kein Ausgangspunkt für Homosexualität und Mystik

Die Seele verlässt den Körper, um ihre Hülle (den Körper) zu betrachten

Aus meiner Leidenszeit zur Auflösung der Erlebnisse ist mir noch eine Zeit nur mit weiblichem Seelenteil erinnerlich. Damals fühlte ich mich, wie es Nina Hagen formulierte, „unbeschreiblich weiblich“. Mit den Märchen der Brüder Grimm erklärt, ist das mit dem toten Johannes (dem Tod der männlichen Seele) zu vergleichen. Mit dem „Ableben“ wird eine Zeit totaler Weiblichkeit ermöglicht, bevor „Der treue Johannes“ wiedererweckt wird. Kernaussage des Märchens ist denn auch: „Gräme Dich nicht, der männliche Seelenteil ist nur kurz weg und du bekommst ihn wieder.“ In punkto Homosexualität und Mystik hätte die Begründung der Homosexualität aus der Auflösung von Erlebnissen daher bedeuten müssen, dass ich mich mit nur der weiblichen Seele vermehrt zu Männern hätte hingezogen fühlen müssen. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Ich fühlte mich mit einem Male unter Frauen viel wohler. Damals hatte ich echte Freundinnen, zumindest für die kurze Zeit, bis die auch noch die weibliche Seele in mir ausgebrannt wurde. Vergleichen Sie dieses totale Ausbrennen bitte mit dem Märchen „Der Trommler“, wo dieses weitere Sterben der verbliebenen weiblichen Restseele mit der völligen Vernichtung des Waldes durch Feuer umschrieben wird (eine der Aufgaben des Jünglings). Mir kommen im Übrigen bei Niederschrift dieser Zeilen tiefe Zweifel, ob solche Überlegungen Transsexuellen helfen könnten. Im Grunde wird man mystische Auflösungsprozesse für alle sexuelle Neigungen ausschließen müssen, damit also keine Verbindung von Homosexualität und Mystik, von Transsexualität und Mystik oder irgendetwas anderem mit Mystik

Somit zu den wenigen und leider schmalen Ergebnissen: Homosexualität wird, wenn sie überhaupt einem Schlüsselerlebnis (mit) entwachsen sein sollte, (auch) nicht aus mystischer Vorgehensweise mit Verlust eines Seelenteils heraus angestoßen. Homosexualität und Mystik (auch Transsexualität und Mystik) haben nichts mit der Dualität von Seele gemein und gehen deshalb nicht auseinander hervor. Auszuschließen sind aufgrund der göttlichen Abkunft der Seele des Weiteren Ursachen aus der Natur des Göttlichen heraus, selbst wenn sich Gott in der direkten Schau als Frau offenbart, denn Gott ist in der Tiefe eine Trinität aus Frau-Mann und Liebe. Damit bleiben nur andere Ursachen für sexuelle Orientierungen, so etwa Gene, Erziehung, gesellschaftliche Gründe etc. Für genetische Gründe allerdings wäre ich der falsche Ansprechpartner. Mein Beritt sind neben religiös und damit gesellschaftlich bedingten Orientierungen tiefe seelische Einsichten.