Archiv: Mai 2015

Die „Yin & Yang“-Motte

21.05.2015 Allgemein, Lebenshilfe, Philosophisches, Politik Keine Kommentare

Das Modell orientiert sich offenkundig an dem bekannten Symbol „Yin & Yang“ aus China. Es steht symbolhaft für das Dunkle (Yin) und das Helle (Yang) oder auch für das Weibliche (Yin) und das männliche (Yang), um die beiden wichtigsten Bedeutungen des Zeichens vorzustellen. Da wir mit den Bedeutungen arbeiten wollen, noch einmal: „Yin“ steht für die dunkle Seite, das Weibliche. „Yang“ steht für das helle, männliche Prinzip.

Die "Yin & Yang"-Motte

Die „Yin & Yang“-Motte

Die weitere Orientierung vollzieht sich im Modell an den Motten (frühen Adels-Burgen) des Hochmittelalters, wobei deren Ursprungsform mit Vorburg und Bergfried hier aufgelöst ist. Es gibt (idealisierend) keinen Adelssitz mehr, weil die Herrschaft beseitigt wurde. Vielmehr greifen zwei nicht wirklich voneinander getrennte Bereiche (Vorburgen) ineinander und geben ein komplexeres Bild mit zwei Zu- oder Ausgängen frei.

Kommen wir zu den Bedeutungen: Die Religionswissenschaften kennen zwei Grundwege, nämlich Mystik und Schamanentum als solche, die vielen Glaubenslehren zugrunde liegen. Sie nennen solche Auffassungen Zweiwegelehren und benennen als herausragende Vertreter unter anderem das alte Ägypten (Zweiwegebuch), den Hinduismus oder die Religion Australiens. In unserem Modell steht übrigens die weibliche Seite zugleich für die Mystik, das Schamanentum für ein rein männliches Prinzip. Denn die Mystik ist eine Lehre, entwickelt aus verborgenen Kräften (im Dunkeln), das Schamanentum arbeitet dagegen mit viel Tamtam und Show-Effekten (im Hellen). Im auflösenden Leidensprozess um die wichtigsten Erlebnisse des Lebens ist denn der Entscheid für die weibliche Seite zugleich die Eintrittskarte für den mystischen Erkenntnisprozess, umgekehrt der Entscheid für die männliche Seite der für das Schamanentum. Das bedeutet zunächst, dass die Zuordnung des Weiblichen zum dunklen und die des männlichen zur hellen Seite zutreffend ist.

Das Modell aus zwei ineinander greifenden Vorburgen verweist somit auf zwei Wege, die wir beschreiten können, nämlich Mystik oder Schamanentum. Zugleich präsentieren sich zwei Wege zur Persönlichkeitsentwicklung, ein solcher, der männlichen Seite gehorchend, in der Welt und ein weiterer, der weiblichen Seite zugeneigt, aus der Welt. Deshalb steht der Ausgang in der „Yang“-Welt unten, während  und der der „Yin“-Welt nach oben weist. Damit wird zugleich offenbar, dass es zwei nicht wirklich voneinander getrennte Bereiche sind. Sie zeigen uns stattdessen die Möglichkeiten eines jeden Menschen auf.

Tatsächlich muss sich der Mensch nämlich höchst selbst um beide Bereiche kümmern: Er muss sich mittels Bildung um sein Fortkommen in der Welt bemühen und mittels Mystik um sein Fortkommen aus der Welt. Unsere Gesellschaft ist dagegen eine andere. Es zählen nur die materiellen Erfolge, die Spiritualität wird gänzlich vernachlässigt oder sie wird Menschen (Priestern, Schamanen) übertragen, die sich damit beschäftigen möchten. So aber wird es nichts mit dem eigenen Weg aus der Welt. In der „Modernisierten Zweiwegelehre“ besteht deshalb die Forderung, beide Bereiche zu entwickeln, den Weg in der Welt und zugleich den aus der Welt. Auffallend wiederum im Mottenmodell, dass beide Pfade aus den Häusern steinig sind. Sie verweisen darauf, dass sowohl die Schule wie auch das Leben erst einmal abverlangen, bevor man nach getaner Arbeit genießen kann. Was man zudem vom Elternhaus oder der Schule mitbekommt, muss nicht noch zusätzlich erarbeitet werden.

Eine weitere Forderung darf abgeleitet werden: Damit unsere Welt, die mit zuviel „Yang“ aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder ins Lot kommt, müssen wir uns stärker der „Yin“-Seite zuwenden. Statt die Welt mit noch mehr Feuer anzuheizen, sollten wir bedächtiger mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Statt Mitmenschen zu unterdrücken oder zu verscheißern, müssen alle an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Statt mehr Totalitarismus muss es also mehr Demokratie geben. Denn alles, was das männliche Prinzip weiter anfacht, ist für unseren Planeten und letztendlich den Weg eines jeden Menschen aus der Welt schädlich.

Das inzwischen bemalte Modell

Das inzwischen bemalte Modell

(Weitere Infos mit Links zum Crossover-Projekt der Künstler-Gruppe Falter finden Sie auf der Webseite der IG-KLM.de)