Archiv: Februar 2015

Mystisches Deutschland

25.02.2015 Buchvorstellung, Lebenshilfe, Literatur, Werbung Keine Kommentare

Das Buch ‚Mystisches Deutschland‘ behandelt Mystik in Deutschland insbesondere anhand der Märchen der Brüder Grimm. Der Titel ‚Mystisches Deutschland‘ wurde gewählt, weil dies hier nicht nur tatsächlich ein Land der Märchen und Sagen, sondern eins mystischer Dichter und Denker ist. Und obwohl etwa die Märchen der Grimms nur etwas für Kinder seien, faszinieren sie ebenso Erwachsene, nicht selten ein Leben lang. Grund hierfür ist, dass in den Märchen Wahrheiten verborgen liegen, die viele Menschen zu ergründen suchen. Dabei wäre es einfach, verstünde man etwas vom wahren Leben. Denn in vielen Fällen handelt es sich um mystische Weisheiten, teils um Berichte aus Leidensprozessen um Schlüselerlebnisse aller Art. Sie wurden erzählt, um Mitmenschen bei ihrer Selbst- und Sinnsuche zu unterstützen. In diesen Zusammenhang gehört gleichfalls die „Sage vom versunkenen Schloss“, die im angesprochenen Buch (als eine Erzählung aus dem Blickwinkel der Anderen) ebenso analysiert wird. Hauptsächlich jedoch findet der Leser Nacherzählungen von Märchen und deren Bedeutung, beginnend mit schamanischen aus der Sammlung des Johann Wilhelm Wolf und sodann mystischen, meist von den Brüdern Grimm. Nicht erörtert wurde im Buch jedoch das Märchen „Hänsel und Gretel“, weil es für eine mystische Interpretation zu vieler Vorkenntnisse bedarf. Es sei hier in einer Kurzbesprechung nachgeholt (wenn Sie dem Link folgen möchten,. gelangen Sie zum Original).

Mystisches Deutschland

Das Cover zum ersten Band der „Wahren Tretralogie“.

Kurz zum Text: Die Mutter der beiden Kinder überredet den Vater, aus wirtschaftlicher Not heraus beide Kinder im Wald auszusetzen. Der erste Versuch misslingt, weil Hänsel Steine mitnimmt, den Rückweg zu kennzeichnen. Der zweite Anlauf „klappt“, weil Hänsel Brotkrumen verteilt, die von den Vögeln aufgepickt werden. So finden sich beide hungernd und frierend im tiefen Wald wieder. Nach Tagen gelangen sie irrend an ein Lebkuchenhaus (hat bereits vom Wort her „Leben“ zum Inhalt), wo sie sich hungrig über die gebotene Speise hermachen. Eine Alte (Hexe) bewohnt die Kate, die sich mit „Knusper, knusper Knäuschen, wer kunspert an mein Häuschen“ zu Wort meldet. Sie fängt die Kinder, sperrt den Hänsel ein und lässt Gretel für sich arbeiten (übrigens genau dies ist die Reihenfolge). Der Gretel gelingt die Befreiung, in dem sie die Hexe verbrennt. Die Kinder nehmen von den Schätzen mit und müssen sich mithilfe eines Schwans (weißes Entchen) aus der (Anders-)Welt wieder in die wirkliche Welt zurückbringen lassen. Das Happy-End versteht sich inklusive.

Der Deutung des Märchens liegen Erkenntnisse aus der Auflösung der Abtreibung zugrunde, woher die Erzählung (wohl einer Frau als Urheberin) denn auch stammt. Die erfährt in der Hinwendung zu Gott, weil der gewollte Schwangerschaftsabbruch sowohl Leben wie Tod zum Inhalt hat, von den Spielregeln um das menschliche Dasein: Die Seele wird von Gott geboren, ist unsterblich, männlich wie weiblich, ist im ganzen Körper vorhanden und strebt nach Rückvereinigung mit dem Göttlichen. Gott wird zwar als Frau wahrgenommen, ist in ihrer Tiefe jedoch ebenso männlich-weiblich und liebt ihre Kinder. Deshalb hat sie ihre Kinder in die Welt verstoßen, damit sie erwachsen werden. Zum Zwecke der Entwicklung der Seele ist nach einem Punkt der Trennung beider Seelenteile das Verbrennen erforderlich. Da die Seele von Gott geboren wurde, verbrennt der Adept den göttlichen Teil in sich für Erkenntnisse, welcher schließlich wiedererweckt bzw. zurückgeboren wird. Weitere Märchen, die einfacher zu verstehen sind, etwa „Der treue Johannes“ oder „Die Gänsehirtin am Brunnen“ werden in ‚Mystisches Deutschland‘ ausführlich besprochen.

Einfacher nachvollziehbar, ebenso in ‚Mystisches Deutschland‘ erörtert ist das Märchen „Die Sterntaler“. Dort ist es ebenfalls ein kleines Mädchen (der weibliche Teil der Seele), welcher die Aufgaben zu lösen hat. Dazu hat das Kind sich der Kleidungsstücke in der umgekehrten Reihenfolge des Anlegens, zu entledigen, um in der Rückbetrachtung eigenes und fremdes Verhalten zu analysieren. Schließlich ist das Mädchen unbekleidet und erhält ein himmlisches Gewand (übertragen das Totenhemdchen) sowie Sterntaler (Silbermünzen, silber steht in der Heraldik für Weisheit) als Zeichen des Wissens um göttliche Aufnahme nach diesem Leben.

Wie der geneigte Leser bereits an diesen beiden Beispielen erkennen mag – eine ausführliche Besprechung mit Einführung in die Mystik Grimmscher Märchen enthält ebenso das Büchlein „Die Falter-Skripte“ – trifft der Vortrag der amerikanischen Diplom-Psychologin Clarissa Pinkola Estes nicht zu. Die Autorin des vielgerühmten Buchs „Die Wolfsfrau“ (enthält eine psychologische Analyse Grimmscher Märchen) behauptete, die Mystik in den Märchen der Brüder Grimm sei durch deren Übertragung aus der Volkserzählung verloren gegangen. Das ist natürlich Blödsinn, wie in ‚Mystisches Deutschland‘ an vielen Beispielen verdeutlicht wird. Es kann übrigens bei Amazon für 12,80 EUR erworben werden.

Selbstredend soll nun wegen der Unwissenheit nicht der Stab über der Psychologie gebrochen werden. Es sei von meiner Seite jedoch dazu aufgefordert, sich mehr auf europäische Traditionen der Selbsthilfe zurückzubesinnen, anstatt über amerikanische Entwürfe zur Vergangenheitsbewältigung der Kriegsveteranen ein unzutreffendes Bild des Seelenlebens des Menschen zu entwerfen. Ebenso wenig sei verschwiegen, dass das Bild des Göttlichen im Leidensprozess (wer, außer einer Frau käme übrigens auf den Gedanken, das Rätsel um das Menschsein in der Abtreibung zu verstecken?) einige Sprengkraft bezüglich der Religionen besitzt und geeignet wäre, den notwendigen Paradigmenwechsel einzuleiten. Der Leser jedenfalls mag erkennen, dass er Hilfen bezüglich des eigenen Fortkommens erhält. Darüber hinaus finden sich in den Märchen Ansätze für den altbewährten Umgang miteinander und eine andere Einstellung zum Planeten Erde.